Uiguren: Was eine Frau berichtet, die China jahrelang in ein Umerziehungslager steckte
Icon: vergrößernUigurin Gulbahar Haitiwaji in Paris: Zu sieben Jahren Umerziehungslager verurteilt
Foto: Laura Stevens / DER SPIEGEL
In einem Appartement am Stadtrand von Paris erzählt eine Frau eine Geschichte über Chinas Versuch, die Identität eines Volks auszulöschen. Sie erzählt von Umerziehungslagern, engen Gefängniszellen, von Zwangsimpfungen. Aber auch von der Kraft des Yoga und stiller Freundschaft in Haft – und von der Frage, wann der Wille eines Menschen bricht. Es ist ihre Geschichte.
Die Frau lebt in Boulogne-Billancourt, einem wohlhabenden Vorort der französischen Hauptstadt. Von ihrem Haus kann sie zur Seine spazieren. Ein paar Kilometer weiter sieht sie den Eiffelturm. Es ist eine gute Umgebung, die sie stets genossen hat. Bis sie in die Fänge des chinesischen Regimes geriet und für Jahre in seinem Unterdrückungsapparat verschwand.
Gulbahar Haitiwaji nimmt am Wohnzimmertisch Platz, ihr kleines Appartement ist mit einem weißen Sofa und Kunstpflanzen eingerichtet. Sie hat Kuchen aufgeschnitten und fünf Sorten Trockenobst ordentlich nebeneinander auf einer Platte angerichtet. Das leichte Make-up betont ihre dunklen Augen. Die schwarzen Haare rahmen ihre sanften Gesichtszüge ein.

