Coronavirus-Langzeitstrategie: »Menschen mit Bedenken abzuwatschen ist auch kein Weg« – Interview
Icon: vergrößernImpfzentrum im Kurhaus Baden-Baden: »Experten müssten Fragen beantworten, wie sie in dubiosen, aber viel geklickten Videos gestellt werden«
Foto: Klaus Schultes / action press
SPIEGEL: Frau Betsch, Sie erforschen seit Jahren, warum sich Menschen impfen lassen oder nicht. Was können Politiker aus diesen Studien lernen?
Betsch: Wichtig wäre, darauf zu reagieren, dass die Menschen im Moment ein riesiges Bedürfnis nach Informationen über den Corona-Impfstoff haben. Das ist anders als bei Impfungen, die selten aufgefrischt werden müssen und altbekannt sind. Dieses Bedürfnis ist unterschätzt worden. Das hat vermutlich mit dazu geführt, dass sich erst einmal eine relevante Zahl von Pflegekräften in Seniorenheimen und Krankenhäusern nicht impfen lassen wollte.
SPIEGEL: Sie meinen, das hätte sich voraussehen lassen?
Betsch: Die Erfahrung mit der Grippeimpfung hat diese Entwicklung nahegelegt. Bei der Influenza hat man es ebenfalls mit einem ständig mutierenden Virus zu tun, das jedes Jahr nach einem veränderten Impfstoff verlangt. Auch da reagieren Menschen in pflegerischen und medizinischen Assistenzberufen eher skeptisch: Weniger als die Hälfte lässt sich impfen.
SPIEGEL: Warum ist das so?

