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Corona-Impfung: Welche Impf-Nebenwirkungen sind bekannt, wie werden sie erfasst?

January 16
02:37 2021
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Moderna-Impfstoff: In der EU sind bislang zwei Impfstoffe zugelassen

Foto: Action Pictures / imago images

»Ich will nicht die Erste sein«, der Satz ist noch immer zu hören, wenn sich Menschen über die Covid-19-Impfung unterhalten. Schon unmittelbar nach der Zulassung in der Europäischen Union (EU) entbehrten die Aussagen allerdings jeglicher Grundlage. Denn schon zuvor wurden die Impfstoffe an mehreren Zehntausend Menschen getestet. Sie waren die ersten Geimpften und haben gezeigt, dass die Vakzinen sicher sind.

Das allerdings heißt nicht, dass es keine Risiken gibt. Wie bei allen Arzneimitteln geht es auch bei Impfstoffen um eine Risiko-Nutzen-Abwägung. Ganz besonders bei älteren Menschen fällt sie zugunsten der Impfung aus, denn ihr Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken oder zu sterben, ist besonders hoch. Gleichzeitig sind Impfreaktionen unter Älteren im Durchschnitt schwächer als bei Jüngeren, wie die großen Zulassungsstudien (hier und hier) zeigen.

Zu den häufigsten vorübergehenden Beschwerden der in der EU zugelassenen Vakzinen von Pfizer/Biontech und Moderna gehören über alle Altersgruppen hinweg Schmerzen an der Einstichstelle (mehr als 80 Prozent beziehungsweise 92 Prozent), Müdigkeit (mehr als 60 Prozent beziehungsweise 70 Prozent) und Kopfschmerzen (mehr als 50 Prozent beziehungsweise 65 Prozent). Schwere Nebenwirkungen wurden nur selten registriert. Ob sie in ursächlichem Zusammenhang mit der Impfung stehen, ist häufig unklar.

Auf allergische Reaktionen vorbereitet

Im Ausland, etwa in Großbritannien und den USA, wurden nach Impfstart allerdings ein paar Dutzend Fälle von anaphylaktischen Schocks berichtet. Nach einer Prüfung der Vorfälle kommt das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) jedoch zu dem Schluss: »Es besteht in der EU nach derzeitigem Kenntnisstand keine Kontraindikation für Allergikerinnen und Allergiker oder Menschen mit Anaphylaxien in der Vorgeschichte.« Wer allerdings auf die erste Dosis allergisch reagiert hat, soll keine zweite bekommen.

Zudem rät das PEI, alle Personen nach der Impfung mindestens 15 Minuten zu beobachten. In den Impfzentren stehen Medikamente zur Notfallbehandlung allergischer Schocks bereit. Wenn schnell Hilfe zur Stelle ist, lassen diese sich gut behandeln. Was aber, wenn es schlimmer kommt und Menschen nach der Impfung sterben?

In den USA sorgt derzeit etwa ein Todesfall bei einem gesunden Nichtraucher für Aufsehen. In Miami ist der 56-jährige Frauenarzt Gregory Michael 16 Tage nach der Impfung mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff an einer Hirnblutung verstorben. Die Ursache war eine sehr seltene Gerinnungsstörung, eine sogenannte Immun-Thrombozytopenie, bei der das Immunsystem Antikörper gegen Blutplättchen bildet.

Mit oder an der Impfung gestorben

Michael soll drei Tage nach der Impfung an Händen und Füßen sogenannte Petechien entwickelt haben, stecknadelkopfgroße Blutungen in der Haut. Im Krankenhaus stellten Ärzte fest, dass in seinem Blut quasi keine Blutplättchen mehr vorhanden waren. Über zwei Wochen hinweg versuchten Ärzte, den Wert zu normalisieren. Ohne Erfolg, wie unter anderem die »New York Times« berichtet.

Behörden in den USA untersuchen den Fall derzeit. Noch ist nicht klar, ob er ursächlich im Zusammenhang mit der Impfung steht. Vorstellbar ist das in dem Fall grundsätzlich, denn die Impfung stimuliert das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern. Dies geschieht gezielt gegen Virusproteine.

Allerdings tritt eine Immun-Thrombozytopenie ganz selten auch nach Virusinfektionen auf, bei denen das Immunsystem ebenfalls trainiert wird, gezielt Antikörper gegen die Erreger zu bilden. Auch eine Erkrankung mit Covid-19 kann die Autoimmunreaktion in seltenen Fällen hervorrufen.

Ob das Risiko durch die Impfung den Nutzen übersteigt, falls sich der Einzelfall als Impfnebenwirkung bestätigt, müssen Behörden dann neu beurteilen. Derzeit ist die Lage jedoch klar: »Die in der EU zugelassenen Impfstoffprodukte der Firmen Biontech/Pfizer und Moderna weisen ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis auf«, berichtete PEI-Präsident Klaus Cichutek in einem Presse-Briefing.

Verdachtsfälle waren zu erwarten

Dass Menschen nach einer Corona-Impfung sterben würden, war Experten von Anfang an klar, insbesondere in Deutschland, wo zunächst die Hochbetagten geimpft werden. Die entscheidende Frage ist dann: War die Vakzine die Ursache für den Tod oder wären die Betroffenen auch unabhängig davon gestorben?

In Deutschland wurden bislang zehn Todesfälle nach einer Corona-Impfung registriert, teilt das PEI am Donnerstag mit. Die schwer kranken Menschen seien innerhalb von vier Tagen nach der Impfung gestorben. Ein ursächlicher Zusammenhang sei aufgrund des insgesamt schlechten Gesundheitszustands hier aber unwahrscheinlich.

»Aufgrund der Daten, die wir haben, gehen wir davon aus, dass die Patienten an ihrer Grunderkrankung gestorben sind – in zeitlich zufälligem Zusammenhang mit der Impfung«, sagte Brigitte Keller-Stanislawski, Abteilungsleiterin für die Sicherheit von Arzneimitteln und Medizinprodukte beim PEI. Die Patienten seien sehr schwer krank gewesen, teils bereits palliativ behandelt worden und hätten viele Grunderkrankungen gehabt.

Jeder kann Nebenwirkungen melden

Insgesamt haben in Deutschland bislang fast 850.000 Menschen einen der beiden zugelassenen Corona-Impfstoffe erhalten. Anhand ihrer Erfahrungen wird die Sicherheit weiter analysiert, um auch sehr seltene Nebenwirkungen zu identifizieren.

Ärzte sind verpflichtet, unerwartete Impfreaktionen an die örtlichen Gesundheitsämter zu melden. Verbraucher können sich direkt an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte BfArM und das Paul-Ehrlich-Insitut (PEI) wenden (hier).

Zudem sammelt das PEI mithilfe der App »SafeVac 2.0« Informationen über die Verträglichkeit und Wirksamkeit der Impfstoffe. Wer sie herunterlädt, nimmt an einer Nachbeobachtungsstudie teil und wird in den Wochen nach der Impfung mehrfach zu gesundheitlichen Beschwerden befragt. Außerdem sollen nach sechs Monaten und nach einem Jahr Informationen bei Geimpften abgefragt werden.

Die Daten könnten auch Aufschluss darüber geben, inwiefern die Impfung vor einer Infektion mit Sars-CoV-2 schützt. Das PEI prüft anhand der Informationen zudem, ob einzelne Nebenwirkungen in der Bevölkerung häufiger auftreten, als es anhand der Zulassungsstudien zu erwarten wäre.

Icon: Der Spiegel

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