Istanbul: Was hinter dem Studentenaufstand gegen Recep Tayyip Erdoğan steckt
Icon: vergrößernDemonstration gegen den neuen Rektor: »Verstoß gegen den Grundsatz der Gedankenfreiheit«
Foto: OZAN KOSE / AFP
Die Szene könnte symbolischer kaum sein: Am Montagnachmittag verschließen türkische Sicherheitskräfte das Tor der renommierten Boğaziçi-Universität in Istanbul – mit Handschellen. Sie wollen damit demonstrierende Studentinnen und Studenten aussperren, die sich zu Hunderten vor dem Eingang zum Campus versammelt haben. Ihr Protest gilt dem neuen Rektor ihrer Hochschule. Sie sehen in ihm einen »Treuhänder« im Dienst von Recep Tayyip Erdoğan. Auf Twitter kommentiert jemand, die Boğaziçi gehe nun in die Geschichte ein, als die erste Universität, die verhaftet wurde.
Am 1. Januar hat der türkische Präsident seinen Parteifreund Melih Bulu per Dekret zum neuen Rektor der Boğaziçi-Universität gemacht. Seit Inkrafttreten des Präsidialsystems im Juli 2018 ist Erdoğan allein berechtigt, Rektorinnen an staatlichen Universitäten einzusetzen. Bereits mit dem Ausnahmezustand nach dem Putschversuch 2016 war den Hochschulen das Recht entzogen worden, ihre Direktoren selbst zu wählen. In den vergangenen Jahren hat Erdoğan mehr als ein Dutzend Mal davon Gebrauch gemacht, Rektorenposten zu besetzen. Der aktuelle Fall sorgt nun jedoch für Widerstand bei Studenten und Wissenschaftlerinnen.

