USA: Städteforscher über den Rostgürtel und den Aufstieg Donald Trumps
Icon: vergrößernMarquette Park in Gary, Indiana: »Deindustrialisierung und Kapitalflucht«
Foto: Jim Young / REUTERS
SPIEGEL: Herr Heathcott, der amerikanische »Rostgürtel« wurde nach der US-Wahl 2016 zu einer Art Klischee: Journalisten und Forscher strömten in die Gegend, um sich die weißen Arbeiter anzusehen, die Trump gewählt hatten. Was versteht der Rest des Landes nicht an dieser Gegend?
Joseph Heathcott: Ihre Frage deutet es schon an. Die Arbeiterklasse in diesen Teilen des Landes ist nicht ausschließlich weiß, sondern multiethnisch. Ein sehr großer Teil der Menschen, die dort leben, sind Schwarze und Latinos. Die Arbeiterklasse in den Vereinigten Staaten war immer multiethnisch, auch wenn Gewerkschaften sich oft mit Arbeitgebern zusammenschlossen, um Protektionismus zugunsten Weißer zu betreiben.
SPIEGEL: Die Städte, die sie erforschen, sind entweder mehrheitlich schwarz oder haben einen sehr großen schwarzen Bevölkerungsanteil. Welcher Frage wollen Sie auf den Grund gehen?
Heathcott: Wir werden uns fünf Städte anschauen: St. Louis im Bundesstaat Missouri, wo es besonders viel Leerstand gibt, also verlassene oder aufgegebene Grundstücke und Flächen. Dazu noch Detroit, Philadelphia, die Stadt Gary in Indiana sowie Birmingham, Alabama. Letztere liegt zwar nicht im Rostgürtel, ich wollte aber unbedingt auch eine Stadt im Süden erforschen. Es wird darum gehen, wie die Menschen in diesen Städten versuchen, die Folgen von Deindustrialisierung und Kapitalflucht zu bewältigen; wie sie unter diesen Umständen ihr Leben einrichten.

