Großbritannien: Die Corona-Abschottung nimmt das Brexit-Chaos vorweg
Icon: vergrößernAbsperrungen am Hafen von Dover
Foto: MATTHEW CHILDS / REUTERS
Formell ist die Einreise nach Großbritannien noch erlaubt. Doch wer liefert schon in ein Land, aus dem man erst mal nicht mehr so leicht zurückkommt? De facto ist ein Großteil des Warenverkehrs aus Europa auf die Insel unterbrochen, seit die britische Regierung am Wochenende verlautbarte, dass sich im Süden des Landes eine neue Mutation des Coronavirus ausbreite, die »bis zu 70 Prozent ansteckender« sei als die Ursprungsvariante. Speditionen sagen seitdem reihenweise Touren ins Königreich ab. Das hat Folgen: für Wirtschaft, Verbraucher und die Lkw-Fahrer.
»Heute wäre einer unserer Subunternehmer nach UK rausgefahren, aber er hat abgesagt, weil er nicht zurückkommt«, berichtet Stefan Nüsse, Prokurist der Nordhorner Spedition M+F. Die Tochterfirma der Duisburger Huettemann Group ist auf Großbritannien spezialisiert, seit den Siebzigerjahren schickt sie täglich mehrere Transporte dorthin.
»Wir hatten für die nächsten Tage noch Touren geplant, unter anderem sollten wir für Kunden Waren zur englischen Post befördern«, erzählt Nüsse. »Aber das machen wir nicht. Wir können unseren Fahrern nicht zumuten, dass sie festsitzen und nicht mehr vor Weihnachten nach Hause zurückkommen.« Auch Deutsche Post DHL und andere Paketdienste nehmen wegen der unterbrochenen Verkehrswege keine Paketsendungen nach Großbritannien und Irland mehr an, schon abgeschickte Weihnachtspäckchen könnten auf der Strecke bleiben.

