Belarus: Oppositionelle Swetlana Tichanowskaja im Interview über russisches Misstrauen und ihren persönlichen Wandel
Icon: vergrößernSwetlana Tichanowskaja in Berlin bei einem Empfang mit Exil-Belarussen: Sie fordert, die EU-Sanktionen gegen das Regime in Minsk auszuweiten
Foto: HC Plambeck / DER SPIEGEL
Swetlana Tichanowskaja ist zu Besuch in Berlin, es ist das zweite Mal innerhalb weniger Wochen. Am Montag wird sie auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier treffen.
In einem kleinen Besprechungsraum ihres Hotels nahe der Friedrichstraße setzt sie sich gerade allein an den Tisch. Die litauischen Personenschützer, die nun immer in ihrer Nähe sind, und ihre Berater sollen draußen bleiben. Sie nimmt einen Schluck Kaffee, holt Luft, spricht schnell und energisch – sie hat wenig mit der Präsidentschaftskandidatin gemein, die im Sommer oft fast schüchtern und zurückhaltend auftrat.
Tichanowskaja will, dass die Menschen in Deutschland und der EU sie hören, die Belarussinnen und Belarussen nicht vergessen, die schon seit vier Monaten gegen Diktator Alexander Lukaschenko protestieren. Dass die EU-Staaten Lukaschenkos engsten Zirkel mit Sanktionen belegten, ist für sie nur ein erster Schritt.
SPIEGEL: In etwa einer Woche will das belarussische Regime kaum noch Ausreisen zulassen – offizielle Begründung: die Corona-Pandemie. Was, glauben Sie, steckt dahinter?

