QAnon: Warum die Kindermord-Sektierer keine harmlosen Spinner sind
Verschwörungserzählungen vermitteln in harten Zeiten scheinbare Sicherheit durch einfache Deutungen. Oft reduzieren sie eine komplexe Welt auf die simple Endzeitschlacht zwischen Gut und Böse. Auch der QAnon-Kult, die derzeit wirkmächtigste rechte Verschwörungsideologie, folgt einem Meta-Plot: Das Schicksal der Welt ist an einen – natürlich geheimen – Masterplan gekettet. Ein anonymer Informant jedoch sticht skandalöse Informationen aus dem Herzen der US-Regierung an das digitale Publikum durch. Seine Enthüllungen fußen auf dem Zugang zu höchsten Staatsgeheimnissen, Freigabestufe »Q«. Daher der Name, QAnon.
Gerade in der Coronakrise nimmt die Zahl der Menschen zu, die sich mit Verschwörungserzählungen identifizieren, wie etwa die aktuelle Autoritarismus-Studie der Heinrich-Böll-Stiftung zeigt. Seit 2017 findet die Q-Bewegung, die der SPIEGEL im September in einer Titelgeschichte als »gefährlichsten Kult unserer Zeit« beschrieb, ein immer größeres, leichtgläubiges Publikum. Dabei waren die himmelschreienden Skandale, die Q angeblich aufdeckte, in aller Regel wirrer Unfug, seine Vorhersagen überwiegend schlicht falsch. Mittlerweile ist er (oder ist sie, oder sind sie) dazu übergegangen, vagere »Drops« durchzustechen, um dem Publikum mehr Interpretationsspielraum zu lassen.

