Vorräte schrumpfen in Rekordzeit: Auf dem Ölmarkt droht schon bald “echte Panik”
Wirtschaft
Vorräte schrumpfen in RekordzeitAuf dem Ölmarkt droht schon bald "echte Panik"
20.05.2026, 17:05 Uhr Von Max BorowskiArtikel anhören(04:32 min)00:00 / 04:32
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Obwohl seit Monaten Tag für Tag Millionen von Fass Rohöl auf dem Weltmarkt fehlen, waren die Preise zuletzt weitgehend stabil. Doch das könnte sich bald ändern. Sollte die Straße von Hormus geschlossen bleiben, erwarten Experten bald eine Zuspitzung der globalen Energiekrise.
Die angespannte Ruhe am globalen Ölmarkt könnte schon bald in Panik umschlagen, warnen Experten. Mehreren Analysten zufolge könnten die zuletzt zwar erhöhten, aber relativ stabilen Preise auf ein neues Rekordniveau springen – mit entsprechend negativen Konsequenzen für die Weltwirtschaft. Falls die Straße von Hormus bis Juni blockiert bleibe, rechne man damit, "echte Panik" am Ölmarkt zu sehen, schreibt etwa die auf den globalen Energiemarkt spezialisierte Analysefirma HFI in einem Blogpost.
Auch andere Analysten warnen vor einer möglicherweise plötzlichen Verschärfung der Lage. Hintergrund ist, dass die globale Ölversorgung seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar auch durch einen Zugriff auf Ölreserven und Vorräte stabilisiert wurde. Diese entleeren sich aber teilweise in Rekordtempo, wie die Internationale Energieagentur (IEA) warnt. "Rasch schwindende Puffer inmitten anhaltender Störungen könnten künftige Preisspitzen ankündigen", heißt es im jüngsten Monatsbericht der IEA.
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Rund eine Milliarde Fass Rohöl sind Schätzungen zufolge seit Beginn der Blockade der Straße von Hormus nicht auf den Weltmarkt gelangt. Täglich wächst dieses Defizit um sieben bis acht Millionen Fass weiter an. Obwohl ein Ende der Blockade nicht absehbar ist, waren die Rohölpreise in den vergangenen Wochen erstaunlich stabil. Nach einem Rekordhoch im April bei knapp 120 Dollar ist der Preis für das US-Öl WTI sogar wieder deutlich gesunken und bewegt sich zuletzt um die 100 Dollar-Marke.
Hauptstabilisator des globalen Ölmarktes waren in den vergangenen Wochen die USA, die ihre Exporte um mehr als zwei Millionen auf fast sechs Millionen Fass pro Tag erhöht haben. Ein Großteil dieses Öls stammt aus Vorräten. Vor allem die Strategische Petroleum-Reserve (SPR) der US-Regierung ist zuletzt in Rekordtempo geschrumpft. Ganz aufgebraucht wären sie bei dem aktuellen Entnahme-Tempo frühestens im September. Allerdings dürfte schon lange vorher Panik am Ölmarkt ausbrechen, wenn absehbar würde, dass die Vorräte zur Neige gehen.
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Ein weiterer stabilisierender Faktor in den vergangenen Wochen waren Chinas massiv zurückgehende Öleinfuhren. Indem Chinas Wirtschaft teils auf ihre eigenen Reserven zurückgriff und teils auf andere Energieträger wie Kohle auswich, entlastete sie den Weltmarkt. Doch auch die chinesischen Puffer werden geringer.
Das gleiche gilt für die Vorräte privater Akteure wie Energiekonzerne und -Händler. Die Experten von JPMorgan nehmen an, dass die kommerziellen Ölvorräte in den Industrieländern bis Anfang Juni "operative Stressniveaus erreichen" könnten. Der Ölkonzern Saudi Aramco warnt, dass vor allem die weltweiten Bestände an Benzin und Kerosin schon vor dem Sommer knapp werden könnten.
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Der Ökonom Hamad Hussain vom Analysehaus Capital Economics rechnet damit, dass es Ende Juni so weit sein dürfte, dass die kommerziellen Ölvorräte in den Industrieländern "kritisch niedriges Niveau" erreichen könnten, sofern sich an der Blockade der Schifffahrt im Persischen Golf nichts ändert. In der Folge, schreibt Hussain in einer Notiz, aus der das Wirtschaftsmagazin "Fortune" zitiert, dürften Rohölpreise neue Allzeithochs erreichen.
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Was das für die Weltwirtschaft bedeuten würden, beschreibt der Ökonom als "weiter ungeordnete und wirtschaftlich schädliche Einschnitte in die Öl-Nachfrage". Das ist eine Umschreibung für eine Eskalation einer globalen Energiekrise: Die Wirtschaft wird unter der Last steigender Ölpreise so stark einbrechen, bis Energieangebot und -Nachfrage auf niedrigem Niveau wieder im Einklang sind.

