Mega-Bonus für Marsbesiedlung: SpaceX will Musk nach Börsengang fast unbeschränkte Kontrolle geben
Wirtschaft
Mega-Bonus für MarsbesiedlungSpaceX will Musk nach Börsengang fast unbeschränkte Kontrolle geben
15.05.2026, 16:14 Uhr Von Max BorowskiArtikel anhören(05:09 min)00:00 / 05:09
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SpaceX steht kurz vor dem wahrscheinlich größten Börsengang der Geschichte. Das Interesse potenzieller Investoren ist groß. Künftige Aktionäre müssen sich jedoch darauf einstellen, dass sie kaum Rechte gegenüber dem Unternehmen und dessen Chef haben.
Schon in wenigen Wochen will Elon Musk seine kombinierte Raumfahrt- und KI-Firma SpaceX an die Börse bringen. Die Rekordsumme von 75 Milliarden Dollar frischem Kapital soll der Konzern so aufnehmen, bei einer Bewertung von mehr als 1,7 Billionen Dollar. Doch nicht nur bei der finanziellen Größenordnung setzt SpaceX neue Maßstäbe: Bislang nicht veröffentlichte Informationen von SpaceX an die US-Börsenaufsicht geben Einblicke in die neue Struktur des Konzerns. Demnach soll Unternehmensgründer Musk als Chef Kontrolle in einem für Aktiengesellschaften völlig ungewöhnlichen Ausmaß behalten, während die Aktionäre auf nahezu alle ihre üblichen Rechte verzichten müssen.
Gleichzeitig wurde bekannt, dass SpaceX vor wenigen Monaten erst ein neues Vergütungspaket für Musk verabschiedete. Demnach bekommt er mehr als 60 Millionen zusätzliche Aktien mit extra Stimmrecht, wenn das Unternehmen einen bestimmten Börsenwert erreicht und Rechenzentren mit einer Leistung von 100 Terawatt im Weltraum installiert hat. Maximal erreichen kann Musk 200 Millionen weitere dieser Aktien: Dazu muss Wert von SpaceX auf mehr als 7,5 Billionen Dollar steigen – mehr als je ein börsennotiertes Unternehmen wert war – und mindestens eine Million Menschen müssen im Rahmen der von Musk schon lange angekündigten Besiedlung des Nachbarplaneten auf dem Mars wohnen. Der Wert dieser Aktien lässt sich noch nicht präzise bestimmen, es dürfte sich aber um Hunderte Milliarden Dollar handeln. Ein Zeitlimit für diese Ziele gibt es nicht, aber selbst Musks Lebenszeit ist für die Besiedlung des Mars ein mehr als ambitionierter Zeitrahmen.
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Banken und institutionelle Investoren berichten von einem großen Interesse an dem Börsengang. Bei vielen, sowohl professionellen als auch privaten Anlegern, gibt es die Erwartung, dass Musk bei SpaceX den Erfolg von Tesla an der Börse wiederholen könnte. Die Tesla-Aktien sind heute ungefähr 130 Mal so viel wert wie beim Börsengang vor 16 Jahren.
Gleichzeitig gibt es allerdings auch Bedenken angesichts der nun bekannt werdenden Bedingungen, hauptsächlich wegen der Beschneidung der Rechte der Aktionäre. So ist es Anlegern, die SpaceX-Aktien besitzen, ausdrücklich verboten, gegen das Unternehmen oder Musk juristisch vorzugehen. In Streitfällen dürfen sie sich höchsten an eine private, außergerichtliche Schlichtungsstelle wenden. Eine solche Regelung ist rechtlich überhaupt erst seit einigen Monaten zulässig, nachdem Texas, wo SpaceX seinen Sitz hat, seine Gesetze entsprechend geändert hat.
"Fehlen jeder Rechenschaftspflicht"
Durch Aktien mit zehnfachem Stimmgewicht, die hauptsächlich nur Musk besitzen darf, behält der Gründer ohnehin die nahezu vollständige Kontrolle im Unternehmen. Das Board, das Gremium, das ihn kontrollieren soll, kann Musk weitgehend nach Belieben selbst besetzen. Verantwortliche für Pensionsfonds von New York und Texas nannten diese Regeln in einem Brief an Musk "extrem". Es sei die "Management-freundlichste Struktur" für eine Unternehmensführung, die ihnen in den USA je untergekommen sei, heißt es in dem Schreiben, aus dem unter anderem die Nachrichtenagentur Reuters zitiert.
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Künftigen SpaceX-Aktionären werde sowohl der Weg über Abstimmungsentscheidungen als auch der Rechtsweg oder die Möglichkeit, Anträge auf der Hauptversammlung zu stellen, verschlossen, zitiert Reuters den Chef einer Vermögensverwaltung, die schon mit dem von Musk kontrollierten Autobauer Tesla wegen dessen milliardenschweren Vergütungspakets angelegt hatte. Die SpaceX-Regeln seien "beispiellos in Hinsicht auf ein völliges Fehlen jeder Rechenschaftspflicht".
Extrem ist auch die angestrebte Bewertung von SpaceX. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 18,7 Milliarden Dollar fast fünf Milliarden Dollar Verlust verbucht – hauptsächlich wegen der hohen Ausgaben für Rechenzentren für den KI-Teil des Unternehmens, xAI. Gewinne wirft bislang vor allem der Internet-Dienst Starlink ab. Dagegen weist SpaceX selbst in seinem Antrag für Börsengang darauf hin, dass sowohl die angestrebte Besiedlung des Mars als auch die in Musks Strategie zentralen Weltraumrechenzentren auf Technologie beruhen, die noch nicht existiert.

