Der US-Präsident hat ein Problem : Der Markt ist stärker als Donald Trump
Wirtschaft
Der US-Präsident hat ein Problem Der Markt ist stärker als Donald Trump
02.04.2026, 14:21 Uhr
Von Jan GängerArtikel anhören(05:36 min)00:00 / 05:36
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Die Straße von Hormus ist blockiert, die Ölpreise gehen deshalb durch die Decke. Donald Trump behauptet, das sei nicht das Problem der USA. Doch hier irrt der US-Präsident.
Donald Trump hat einen Wunsch. Mögen doch bitte andere die Suppe auslöffeln, die er sich und anderen eingebrockt hat. In seiner Rede an die Nation forderte der US-Präsident, andere Länder als seines müssten dafür sorgen, dass der Iran die Straße von Hormus wieder öffne. Denn sie seien schließlich darauf angewiesen. Was Trump dabei ignoriert: Die USA sind es auch.
Die Regierung in Teheran hat nach dem Beginn der US-israelischen Angriffe die wichtige Meerenge blockiert, durch die ein großer Teil der weltweiten Ölproduktion verschifft wird. Dadurch sind die Ölpreise nach oben geschossen. Das bekommen auch die US-Amerikaner zu spüren. Vor allem an den Zapfsäulen sind die Auswirkungen unübersehbar. Eine Gallone (ungefähr 3,8 Liter) Benzin kostet in den USA im Schnitt etwas mehr als vier Dollar – das sind 36 Prozent mehr als zu Beginn des Krieges Ende Februar.
Trump behauptete dennoch, dass die USA das Öl, das durch den Persischen Golf transportiert wird, nicht bräuchten. "Die Vereinigten Staaten importieren fast kein Öl durch die Straße von Hormus und werden in Zukunft keines importieren", versicherte er. Tatsächlich importieren die USA nur sehr wenig Öl aus der Golfregion. Aber die Preise für Öl entstehen auf dem globalen Markt durch Angebot und Nachfrage. Das heißt: Versorgungsengpässe im Nahen Osten wirken sich auch auf die USA aus. Genau deshalb sind die Benzinpreise dort so stark gestiegen.
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Doch Trump richtet nur Ratschläge an die Regierungen der Länder, die Öl aus dem Persischen Golf importieren. Zum einen sollten sie die Führung dabei übernehmen, den Iran zu einer Öffnung der Straße von Hormus zu zwingen: "Geht zur Meerenge und erobert sie einfach, verteidigt sie und nutzt sie zu eurem Vorteil. Der Iran ist im Grunde genommen zerschlagen. Der schwierigste Teil ist erledigt, also sollte es ein Leichtes sein." Dem widersprechen Militärexperten. Sie halten eine Eroberung und dauerhafte Sicherung der Meerenge für den Schiffsverkehr für extrem schwierig und riskant. Hinzu kommt, dass die USA und Israel den Krieg im Alleingang begonnen und dabei selbst ihre Verbündeten übergangen haben.
"In die Steinzeit"
Der zweite Ratschlag Trumps: "Kauft Öl von den Vereinigten Staaten von Amerika. Wir haben reichlich davon. Wir haben so viel." Es stimmt, dass die USA derzeit der weltweit größte Produzent von Öl sind. Doch auch dieser Vorschlag Trumps ignoriert ökonomische Mechanismen. Wenn bisherige Käufer statt Golf-Öl nun US-Öl kaufen, ändert das nichts an dem weltweit knapperen Angebot und den dadurch höheren Preisen. Das Forschungsunternehmen Oxford Economics schätzt, dass der Krieg bereits zu einer Lücke von zehn Prozent zwischen dem weltweiten Ölangebot und der weltweiten Ölnachfrage geführt hat.
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Diesen Zusammenhang dürfte auch Trump kennen. Die US-Regierung hat gegen den Iran verhängte Öl-Sanktionen gelockert, um den Preisschock abzufedern. Und Trump hatte vergangene Woche bereits sein Ultimatum für die Regierung in Teheran bis Anfang kommender Woche verlängert: Entweder wird die Straße von Hormus vollständig für den internationalen Schiffsverkehr freigegeben, oder er werde iranische Kraftwerke zerstören lassen. Ob es wirklich dazu kommen wird, ist offen. Er hat das Ultimatum bereits zweimal verlängert.
Trump kündigte in seiner Rede unabhängig davon an, auch die nächsten zwei oder drei Wochen den Iran "extrem hart" anzugreifen: "Wir werden sie zurück in die Steinzeit schicken, wo sie hingehören." Er versicherte, dass die USA in Kürze alle militärischen Ziele erreichen würden. Doch wie ein konkreter Zeitplan für die Beendigung der Kampfhandlungen aussehen könnte, die eine globale Energiekrise ausgelöst haben, ließ Trump in seiner Rede offen.
Dann werde sich die Straße von Hormus "ganz von selbst wieder öffnen", so Trump. Das widerspricht seiner Forderung, andere müssten für die Öffnung der Meerenge sorgen. Außerdem ist völlig unklar, wie sich die iranische Regierung nach Ende der Kampfhandlungen verhält.
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Trump wiederholte in seiner Rede dennoch seine Behauptung, dass die Energiepreise nach Kriegsende rapide fallen werden. Ölmanager und Händler widersprechen. Es könne demnach Wochen oder Monate dauern, bis sich die Preise normalisiert haben.
Fest steht: Je länger die Straße von Hormus blockiert ist, umso schlimmer wird die Energiekrise. Das wirkt sich nicht nur auf Benzinpreise aus, sondern auf den gesamten Alltag der Verbraucher – auch in den USA: Lebensmittel, Konsumgüter oder Flugreisen werden teurer. Die hohen Preise bekommen Millionen US-Amerikaner zu spüren. Und möglicherweise auch Trumps Republikaner bei den Zwischenwahlen im November.

