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Empörung über Kriegswetten : Online-Wettplattformen werden zur realen Bedrohung

March 21
13:06 2026

Wirtschaft

Empörung über Kriegswetten Online-Wettplattformen werden zur realen Bedrohung

21.03.2026, 09:21 Uhr imageVon Max BorowskiArtikel anhören(06:12 min)00:00 / 06:12

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Die Frage, ob hier eine Rakete oder nur Trümmerteile einschlugen, entschied über Gewinn und Verlust von mehreren Hunderttausend Dollar. Dafür sollte ein Reporter zum Lügen gezwungen werden. (Foto: picture alliance / Xinhua News Agency)

Laut dem Chef der zuständigen US-Aufsichtsbehörde haben sie einen wichtigen "ökonomischen Zweck": Onlineplattformen, auf denen auf alle möglichen Ereignisse gewettet werden kann. Auch auf Kriege und Raketeneinschläge.

Emanuel Fabian ist Reporter für die "Times of Israel". Sein Job ist nicht ungefährlich. Seit dem Angriff auf den Iran beschießt dieser Israel mit Raketen und Drohnen. Zu Fabians Arbeit gehört es, über die Folgen dieser Luftangriffe zu berichten. Seit einigen Tagen allerdings sieht sich der Journalist einer ganz neuen Gefahr ausgesetzt: unverhohlenen Gewaltdrohungen, mit denen seine Berichterstattung und damit der Ausgang von Wetten auf einer Kryptoplattform beeinflusst werden sollte.

Und zwar auf sogenannten Prediction Markets, das sind auf Kryptowährungen basierende Plattformen für Online-Wetten. Dort werden "Verträge" genannte Wetten auf alle möglichen künftigen Entwicklungen angeboten: Wie hoch wird der Ölpreis kommende Woche sein? Wer gewinnt die Wahl in Ungarn im April? Wer gewinnt die chinesische Superliga? Um nur einige Beispiele zu nennen. Ebenfalls im Angebot: Wetten auf militärische Ereignisse. Zu Beginn des Iran-Kriegs hatte etwa für Aufsehen gesorgt, dass mehrere Teilnehmer auf den Plattformen Kalshi und Polymarket offensichtlich mit Insiderwissen hohe Gewinne mit Wetten auf den Anfang der amerikanischen Luftangriffe erzielten.

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Was Fabian erlebte, geht noch einen entscheidenden Schritt weiter. Am 10. März berichtete er über den Einschlag einer iranischen Rakete bei der Stadt Bet Schemesch westlich von Jerusalem, bei dem glücklicherweise keine Opfer zu beklagen waren. Routine für den Reporter. Kurz darauf bekam er immer mehr, immer bedrohlichere Nachrichten, er sollte seinen Bericht auf der Website der "Times of Israel" dahingehend ändern, dass es sich nicht um den Einschlag einer Rakete, sondern um Trümmer von Abwehrgeschossen gehandelt habe, die die iranische Rakete abgefangen hätten.

In den folgenden Tagen fand Fabian heraus, dass die Menschen, die ihn bedrohten, darauf gewettet hatten, dass an diesem Tag keine iranische Rakete in Israel einschlagen werde. Angesichts der Tatsache, dass es keine Opfer und keinen nennenswerten Sachschaden gegeben hatte, ist es für den Kriegsverlauf kaum entscheidend, ob es sich bei dem betreffenden Vorfall um einen Raketeneinschlag oder herabfallende Trümmer handelte. Doch bei einem spezifischen "Vertrag" auf Polymarket hingen davon der Verlust oder Gewinn von Hunderttausenden von Dollar ab.

Um an dieses Geld zu kommen, wollten Kriminelle den Reporter wie einen Schiedsrichter bei einer manipulierten Sportwette mit Einschüchterungen und Geldangeboten dazu bringen, sein Urteil anzupassen. Fabian weigerte sich. Die israelische Polizei ermittelt inzwischen gegen mehrere Verdächtige in dem Fall. Allerdings, so schrieb der Reporter in einem Bericht über seine Erlebnisse, weiß niemand, ob andere Journalisten in vergleichbaren Fällen ebenso standhaft waren.

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Auf den großen Prediction Markets geht es um gigantische Summen. Einem Bloomberg-Bericht zufolge betrugen die Einsätze allein bei Wetten im Kontext des Irankriegs auf Polymarket 500 Millionen Dollar. Die Sorge, dass diese finanziellen Interessen politische und finanzielle Entscheidungen beeinflussen könnten, reicht bis zum US-Kongress. Der demokratische Senator Chris Murphy warnte, dass es Menschen in der Trump-Regierung geben könnte, die nicht nur – wie zu Beginn des Krieges – mit ihrem Insiderwissen Wetten abschlössen, sondern die auch militärische Entscheidungen des Präsidenten "nicht danach, was im nationalen Sicherheitsinteresse, sondern danach, was ihnen Geld einbringt", beeinflussen.

Rufe nach einer Regulierung der in den USA beheimateten Plattformbetreiber werden immer lauter. Auch aus moralischen Gründen: Für Empörung hatte unter anderem eine Wette auf den Tod des obersten iranischen Führers Ali Chamenei gesorgt. Die Plattform Kalshi löste den entsprechenden Vertrag im Nachhinein auf. Polymarket nahm nach heftiger Kritik eine Wette über die Wahrscheinlichkeit eines baldigen Atombombeneinsatzes von der Plattform.

"Das ist widerlich, wir müssen das verbieten", kommentierte Murphy derartige Wetten. Mit weiteren Abgeordneten hat er einen Gesetzentwurf im Kongress eingebracht, der die Plattformen schärfer regulieren und unter anderem dem Präsidenten und seiner Familie solche Wetten verbieten soll.

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Ein grundlegendes Einlenken ist allerdings weder bei den Plattformen noch bei der zuständigen amerikanischen Aufsichtsbehörde zu erkennen. Möglich sind die umstrittenen Wetten, weil Kalshi und Polymarket nicht als Wettanbieter, sondern als Terminbörse eingestuft werden. Restriktionen für Online-Glücksspiele oder Wetten gelten für sie nicht. Die Versuche der Vorgängerregierung unter Präsident Joe Biden, dies zu ändern, nahm die Trump-Regierung im vergangenen Jahr zurück. Donald Trump Junior, Sohn des Präsidenten, ist als Berater für beide Plattformen tätig.

Der von Trump ernannte Chef der Terminbörsen-Aufsicht CFTC, Michael Selig, bezeichnete Versuche in mehreren Bundesstaaten, Wetten unter anderem auf Wahlausgänge einzuschränken, als "übereifrig". Gerade "Verträge" zu politischen Ereignissen, so behauptete Selig, hätten eine wichtige "ökonomische Funktion". Ihm zufolge dienen sie nicht als Online-Glücksspiel, sondern "ermöglichen es Unternehmen, sich gegen Risiken abzusichern", die von solchen politischen Ereignissen ausgelöst werden könnten.

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