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Krieg treibt Öl- und Spritpreis: Trumps Großspender kassieren, Trumps Wähler zahlen drauf

March 20
20:36 2026

Wirtschaft

Krieg treibt Öl- und SpritpreisTrumps Großspender kassieren, Trumps Wähler zahlen drauf

20.03.2026, 16:08 Uhr image (2)Von Hannes VogelArtikel anhören(07:28 min)00:00 / 07:28

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Harold Hamm, Gründer von Continental Resources, spendete Millionen für Trumps Wahlkampf. (Foto: via REUTERS)

Während Millionen Amerikaner sich an der Zapfsäule über steigende Preise ärgern, streichen US-Ölförderer riesige Zusatzgewinne ein. Am meisten profitieren einige Öl-Tycoons, die zu den wichtigsten Unterstützern von Präsident Trump gehören.

Für die meisten Amerikaner sind die wirtschaftlichen Folgen von Donald Trumps Iran-Krieg belastend: Auf gut 120 Dollar pro Barrel ist der Ölpreis inzwischen dank der Blockade der Straße von Hormus zwischenzeitlich geklettert. Genau wie in Europa steigen auch in den USA die Spritpreise. Um gut ein Drittel haben sie laut dem US-Automobilclub AAA im Vergleich zum Vorkriegsniveau zugelegt. Doch der US-Präsident sieht darin offenkundig kein akutes Problem. Im Gegenteil: "Die USA sind mit Abstand der größte Ölproduzent der Welt. Wenn die Preise steigen, machen wir jede Menge Geld", frohlockte er auf Truth Social.

Mit "wir" meint der Präsident offenkundig nicht die Millionen Amerikaner, die ihn gewählt haben, damit er den Anstieg ihrer Lebenshaltungskosten stoppt. Trumps Perspektive entspricht vielmehr der der Ölkonzerne, die vom Ölpreisanstieg infolge des Kriegs profitieren, und der Milliardäre hinter diesen Unternehmen, die im Wahlkampf im großen Stil für den Republikaner gespendet hatten. Ihnen beschert der Preisschock im Iran-Krieg riesige Gewinne.

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Der Ölpreis bildet sich auf dem Weltmarkt. Wenn er, wie aktuell durch Trumps Iran-Krieg steigt, steigen auch die Einnahmen der Öl-Investoren, obwohl die in Texas, North Dakota oder New Mexico fördern und sich an ihren Produktionskosten gar nichts ändert. In der Branche gilt die Faustregel: Ein um etwa zehn Dollar höherer Ölpreis bedeutet etwa 20 Cent höhere Spritpreise in den USA pro Gallone (rund 3,8 Liter).

Fracking-Firmen profitieren am meisten

Unter anderem profitieren davon die größten Ölmultis wie Exxon, Chevron oder ConocoPhillips, die über Tankstellen selbst Benzin in den USA verkaufen. Ihre Aktien machten sofort einen Satz, als die ersten Bomben auf Teheran fielen. Seit Beginn des Krieges hat der gesamte US-Öl-und-Gassektor etwa 8 Prozent zugelegt, während es an den Börsen insgesamt abwärts ging. Mehr als 60 Milliarden Dollar zusätzlich könnten US-Ölfirmen in diesem Jahr kassieren, falls der Ölpreis sich bei mindestens 100 Dollar einpegeln sollte, berichtet die "Financial Times" unter Berufung auf Berechnungen der Beratungsfirma Rystad. Laut "Wall Street Journal" erwartet Saudi-Arabien bereits, dass er bis Ende April auf über 180 Dollar steigen könnte, falls der Krieg weitergeht.

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Ganz besonders nutzt dieser Preisanstieg amerikanischen Fracking-Firmen, die ihr Öl in den USA fördern, indem sie es mit hohem Druck und Chemikalien aus schwer zugänglichen Gesteinsschichten herauspressen. Denn anders als globale Ölmultis wie Chevron, Exxon, BP & Co. haben sie keine Anlagen am Persischen Golf, die durch iranische Attacken zerstört werden können oder deren Produktion durch Irans Tanker-Blockade dort feststeckt.

Trump und seine Republikaner bringt das in politische Bedrängnis. Nicht nur, weil die Wut über hohe Spritpreise wächst. Sondern weil der unpopuläre Krieg eine gigantische Umverteilung von Trumps Wählern zu den Konzernen bedeutet. Demokraten haben bereits einen Gesetzentwurf für eine Sondersteuer zum Abschöpfen von Übergewinnen der Ölbranche in den Kongress eingebracht. Betroffen wären genau die Öl-Milliardäre, die Trump mit Millionenspenden zur Macht verholfen haben.

Es sind Männer wie Harold Hamm, der langjährige Chef von Continental Resources, der größten nicht börsennotierten US-Ölfirma. Oder Kelcy Warren, Boss des Pipeline-Imperiums Energy Transfer Partners, der kürzlich auch in Deutschland Aufsehen erregte, weil eine seiner Firmen einen Großteil der deutschen Öllager und Pipelines gekauft hat, die etwa die deutsche Luftwaffe mit Kerosin versorgen. Oder Jeffery Hildebrand, Gründer des Öl- und Gasförderers Hilcorp Energy.

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Alle drei sind langjährige Trump-Unterstützer: Zusammen mit ihren Ehefrauen und über ihre Firmen haben sie mehr als 15 Millionen Dollar direkt für Trumps Wiederwahl gespendet. Kollektiv finanzierte die Öl- und Gasindustrie Trumps Wahlkampf laut Zahlen des Spenden-Watchdogs OpenSecrets mit fast 26 Millionen Dollar. Zählt man noch verwandte Branchen sowie Spenden über Lobbygruppen und Parteigliederungen dazu, brachte die Ölindustrie sogar 75 Millionen Dollar für Trump im Wahlkampf auf.

Öl-Lobby sitzt am Kabinettstisch

Die Öl- und Gasindustrie "pumpt seit Jahren den überwältigenden Teil ihrer politischen Zuwendungen in die Taschen der Republikaner", schreibt OpenSecrets. Seit 1990 seien es mehr als zwei Drittel aller Spenden an Kandidaten und Parteien gewesen. Während andere traditionell konservative Branchen ihre politische Ausrichtung zum Teil verändert hätten, sei die Ölindustrie weiter fest in republikanischer Hand.

Schon seit Jahren haben die Öl-Tycoons einen direkten Draht zu Trump. Und seit mehr als einem Jahr auch ins Weiße Haus: Energieminister Chris Wright war Manager einer Fracking-Firma und Funktionär bei einer Öl-Lobbygruppe, die Öl-Baron Hamm mitgegründet hat. Im April 2024 hatte Trump in Mar-A-Lago ein geheimes Dinner mit den Öl-Bossen ausgerichtet, um Geld für seine Wiederwahl bei ihnen einzuwerben. Trump versprach der Branche Mehreinnahmen von einer Milliarde Dollar durch Steuergeschenke und laschere Umweltauflagen nach seiner Wahl, wenn sie die gleiche Summe für die Wahlkampf spende.

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Das klappte zwar nicht. Aber Trump hielt trotzdem Wort. Seine Energiepolitik liegt vollkommen auf ihrer Linie: laxere Emissions- und Energieeffizienzstandards, Deregulierung, Bohrungen in Naturschutzgebieten in Alaska, Steuersenkungen. Doch Trumps größtes Geschenk ist nun der – wahrscheinlich dauerhaft – höhere Ölpreis.

Denn er entscheidet darüber, wie viel Förderung sich in den USA lohnt, wo das Öl dank der aufwendigen Fracking-Technik zu höheren Kosten aus dem Boden gepumpt werden muss als am Persischen Golf. Öl-Tycoon Hamm etwa war noch im Januar pessimistisch. Er wolle im Bakken-Reservoir in North Dakota zum ersten Mal seit 30 Jahren die Ölförderung ganz einstellen, sagte er dem Finanzportal Bloomberg: die Ölpreise seien ihm zu niedrig. Hamm ließ die Tür offen, die Förderung zu einem späteren Zeitpunkt wieder anzuschalten. Der scheint nun dank Trumps Iran-Krieg in greifbare Nähe zu rücken.

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