Ökonom hat nachgerechnet: “Nur Bruchteil der Spritpreiserhöhungen lässt sich mit Ölpreis erklären”
Wirtschaft
Ökonom hat nachgerechnet"Nur Bruchteil der Spritpreiserhöhungen lässt sich mit Ölpreis erklären"
17.03.2026, 16:36 Uhr Artikel anhören(03:30 min)00:00 / 03:30
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Steigt der Ölpreis, gehen die Kraftstoffpreise schneller und stärker nach oben, als sie bei einem Preisrückgang sinken. Den Preisschock infolge des Iran-Kriegs nutzen Mineralölkonzerne sogar für noch größere Gewinne als sonst.
Die Mineralölkonzerne nutzen den Ölpreisschock im Zuge des Iran-Kriegs tatsächlich, um die Spritpreise in Deutschland ungewöhnlich stark anzuheben. Bei Diesel und Heizöl ist der Preisanstieg verglichen mit ähnlichen Entwicklungen in der Vergangenheit sogar besonders auffällig. Zu diesem Ergebnis kommt der Ökonom Ferdinand Fichtner in einer aktuellen Berechnung. Der Ölpreis erkläre nur einen Bruchteil der Spritpreiserhöhungen der vergangenen Wochen – beim Diesel nur ein Drittel bis die Hälfte, sagte der VWL-Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin ntv.
Bei einem Ölpreisanstieg legten die Kraftstoffpreise in der Vergangenheit schneller und auch stärker zu, als sie bei einem Preisrückgang sanken, wie Fichtner vorrechnet. Der Anstieg seit Anfang März gehe aber weit über das hinaus, was auf Basis der vergangenen Preissteigerungen zu erwarten wäre. Derzeit seien Dieselpreise in der Größenordnung von 2,20 Euro zu sehen, während nach seinen Berechnungen 1,90 Euro plausibler wären. Die Preiserhöhung sei nicht im Einklang mit dem Agieren der Mineralölkonzerne in den vergangenen zehn Jahren.
Für vergangene Ölpreisanstiege wies Fichtner nach, dass eine Erhöhung von zehn Euro pro Barrel den Dieselpreis langfristig um gut acht Cent steigen ließ. Bei einem Rückgang des Ölpreises um zehn Euro sank der Dieselpreis in einer ähnlichen Größenordnung, allerdings nur langfristig. Der Rückgang ging deutlich langsamer vonstatten als der Dieselpreis-Anstieg. Übertragen auf die aktuelle Ölpreiskrise wäre demnach ein Dieselpreis von etwa 1,90 Euro zu erwarten.
Von Abzocke, wie die Regierungskoalition die Preissteigerungen nennt, will der Wissenschaftler nicht sprechen. Doch gerade würden große Gewinne macht. Zwar seien die gestiegenen Preise ein berechtigtes Signal dafür, dass das Angebot knapper geworden ist. Einen kritischen Blick auf die Machtstrukturen auf dem Markt hält Fichtner trotzdem für sinnvoll.
Die Spritpreise in Deutschland sind der Monopolkommission zufolge deutlich stärker gestiegen als in anderen Ländern. Ein Grund dürfte der hierzulande stark konzentrierte Markt sein, wodurch sich solche Preise leichter durchsetzen lassen, wie Fichtner erläutert. In Frankreich beispielsweise gebe es viel mehr unabhängige Tankstellen, die weniger von den Mineralölkonzernen abhängig sind.
Bei den Preisen in Deutschland könnte in den Augen des Ökonomen auch eine Rolle spielen, dass Tankrabatt und Preisdeckel aus der Vergangenheit die Konzerne annehmen lassen, solche Maßnahmen könnten noch einmal beschlossen werden. Dann ließe sich bei einem höheren Preis auch ein höherer Preisdeckel aushandeln.
Gesetz "kommt in Schnellboot"Schärferes Kartellrecht soll Preisexplosionen stoppen
Die Bundesregierung will kartellrechtlich gegen die hohen Preise vorgehen, das Bundeskartellamt hat die Erwartungen aber gedämpft – Hinweise auf Preisabsprachen gebe es bisher nicht. "Ich glaube, die Unternehmen brauchen das auch gar nicht", sagte Kartellamtschef Andreas Mundt. "Sie kennen jederzeit die Preise ihrer Wettbewerber, weil die Märkte so transparent sind."

