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Atomschirm-Gespräche mit Paris: Merz macht den “Kulturkampf”-USA eine Ansage – und ein Angebot

February 13
19:36 2026

Politik

Atomschirm-Gespräche mit ParisMerz macht den "Kulturkampf"-USA eine Ansage – und ein Angebot

13.02.2026, 14:22 Uhr Artikel anhören(03:51 min)00:00 / 03:51

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Erstmals eröffnet der Bundeskanzler die Münchener Sicherheitskonferenz (Foto: picture alliance / dts-Agentur)

Erstmals eröffnet der Bundeskanzler die Münchener Sicherheitskonferenz: Friedrich Merz erklärt die regelbasierte internationale Ordnung für beendet und warnt vor den Folgen – auch für die USA. Zur US-Regierung gebe es eine "Kluft", auf die Europa reagiere. Auch mit einem gemeinsamen Atomschirm?

Zur Eröffnung der Münchner Sicherheitskonferenz hat Bundeskanzler Friedrich Merz eindringlich vor einer Gefährdung der Freiheit in einer von Großmächten geprägten Welt gewarnt – auch mit Blick auf die USA unter Donald Trump. "Zwischen Europa und den Vereinigten Staaten hat sich eine Kluft, ein tiefer Graben aufgetan", sagte Merz, der anders als seine Vorgänger die erste Rede auf der weltweit beachteten Konferenz hielt. Europa dürfe wegen der Differenzen mit den USA die Nato nicht abschreiben, müsse aber "im Bündnis im eigenen Interesse einen starken selbsttragenden europäischen Pfeiler errichten", sagte Merz. Ziel müsse sein, sich "mit neuer Stärke, neuer Achtung und Selbstachtung" zu behaupten.

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Der Aufbruch zu mehr europäischer Unabhängigkeit sei "unter allen Umständen richtig", sagte Merz. "Er ist richtig, falls sich die Vereinigten Staaten weiter entfernen. Er ist richtig, solange wir unsere Sicherheit nicht aus eigener Kraft gewährleisten können. Er ist schließlich richtig, um eine gesündere transatlantische Partnerschaft zu begründen."

Merz stellte in München grundsätzliche weltanschauliche Differenzen mit den USA fest. Die aktuelle Weltlage sei von einer "Rückbesinnung auf Machtpolitik" und einem "Bedürfnis nach starker Führung" bestimmt. "Auch wir treffen unsere Vorkehrungen für die neue Zeit", sagte der Kanzler. "Dabei kommen wir zu anderen Ergebnissen als die Administration in Washington."

Merz wendet sich gegen Trumps "Kulturkampf"

Merz grenzte sich deutlich vom ideologischen Kernbestand der von US-Präsident Trump inspirierten MAGA-Bewegung ("Make America Great Again") ab. "Der Kulturkampf der MAGA-Bewegung ist nicht unserer", sagte der Bundeskanzler. "Die Freiheit des Wortes endet hier bei uns, wenn sich dieses Wort gegen Menschenwürde und Grundgesetz wendet. Wir glauben nicht an Zölle und Protektionismus, sondern an freien Handel. An Klimaabkommen und Weltgesundheitsorganisation halten wir fest, weil wir überzeugt sind: Globale Aufgaben werden wir nur gemeinsam lösen."

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Hoffnung auf eine absehbare Verbesserung des Verhältnisses zu den USA ließ Merz nicht erkennen, mahnte aber mit Blick auf den Aufstieg Chinas: "Der Führungsanspruch der Vereinigten Staaten jedenfalls ist angefochten, vielleicht schon verspielt. " Deshalb werde auch Washington künftig Partner brauchen. "Selbst sie stoßen an die Grenzen der eigenen Macht, wenn sie etwa im Alleingang unterwegs sind", sagte Merz. "Teil der Nato zu sein, ist nicht nur ein Wettbewerbsvorteil für Europa, sondern auch ein Wettbewerbsvorteil für die Vereinigten Staaten. Lassen Sie uns also das transatlantische Vertrauen reparieren und gemeinsam wiederbeleben", warb Merz.

"Wenn unsere Partnerschaft eine Zukunft haben soll, dann müssen wir sie im doppelten Sinn neu begründen", sagte der CDU-Chef weiter. "Diese Begründung muss handfest sein, nicht esoterisch. Wir müssen diesseits und jenseits des Atlantiks zu dem Schluss kommen: Zusammen sind wir stärker." Am Samstagmorgen wird US-Außenminister Rubio auf der Konferenz sprechen und sich vermutlich zu Merz' Angebot verhalten.

Gespräche über Frankreichs Atomschirm

Wie Merz erstmals einräumte, reden Deutschland und Frankreich inzwischen konkret über einen möglichen europäischen Atomschirm. "Ich habe mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron erste Gespräche über europäische nukleare Abschreckung aufgenommen", sagte Merz. Deutschland hat sich den vier Siegermächten des Zweiten Weltkriegs gegenüber verpflichtet, "auf Herstellung und Besitz von und auf Verfügungsgewalt über atomare, biologische und chemische Waffen" zu verzichten.

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Für denkbar wird allerdings gehalten, dass der derzeit rein nationale französische Atomschirm ausgebaut wird, um auch Deutschland und anderen EU-Staaten Schutz anzubieten. Dies würde dann die sogenannte nukleare Teilhabe der Nato für den Fall ergänzen, dass die USA langfristig auch ihr Engagement in diesem Bereich zurückfahren wollen.

"In der Ära der Großmächte ist unsere Freiheit nicht mehr einfach gegeben. Sie ist gefährdet", sagte Merz. "Es wird Festigkeit und Willenskraft brauchen, diese Freiheit zu behaupten." Die regelbasierte internationale Ordnung, "so unvollkommen sie selbst zu ihren besten Zeiten war, gibt es so nicht mehr", betonte Merz. Höchste Priorität habe es nun, "Europa innerhalb der Nato zu stärken". Ziel müsse es sein, "unsere Abhängigkeit und unsere Verletzbarkeit" zu vermindern. "Wir investieren massiv in glaubhafte Abschreckung", sagte der Kanzler.

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"Wir haben die Schwelle in eine Zeit überschritten, die einmal mehr offen von Macht- und Großmachtpolitik geprägt ist", so Merz. "Russlands gewalttätiger Revisionismus, sein brutaler Krieg gegen die Ukraine, ist nur ihr grellster Ausdruck." Merz bekundete im Gespräch mit dem Konferenzleiter Wolfgang Ischinger, er glaube, Russland werde den Krieg gegen die Ukraine erst dann beenden, wenn es sich wirtschaftlich oder militärisch nicht mehr zu einer Fortsetzung in der Lage sehe. Dieser Zeitpunkt sei nähergekommen

Söder schlägt USA einen "Deal" vor

Vor Merz sprach traditionell der bayerische Ministerpräsident als Gastgeber der Konferenz. Markus Söder rückte die Beziehung zu den USA ins Zentrum seiner kurzen Ansprache. "Wackelt die Beziehung? Gibt es eine Beziehungsdelle?", fragte Söder. "Es ist eine Beziehungskrise. Na ja, es war schon mal wärmer und herzlicher. Ich glaube, das können wir sagen." Der CSU-Chef mahnte an, sich wieder zusammenzuraufen. "Vielleicht versuchen wir einen Deal. Wir werden besser. Ihr werdet freundlicher. Wir akzeptieren nach wie vor eure Führung", sagte Söder. Im Gegenzug müssten die USA mehr Respekt und Wertschätzung zeigen.

Zu der dreitägigen Sicherheitskonferenz werden über tausend Teilnehmer erwartet, unter ihnen mehr als 60 Staats- und Regierungschefs sowie rund hundert Außen- und Verteidigungsminister. Die US-Delegation wird in diesem Jahr von Außenminister Marco Rubio angeführt, zudem nehmen nach Angaben der Veranstalter mehr als 50 Mitglieder des US-Kongresses an der Konferenz teil.

US-Vizepräsident JD Vance hatte in seiner Rede bei der MSC im vergangenen Jahr scharfe Kritik an Deutschland und Europa wegen angeblicher Beschneidung der Meinungsfreiheit geäußert. Die Äußerungen lösten einen großen Schock in Europa aus. Die US-Außenpolitik, die an Trumps Devise "America first" ausgerichtet ist, ließ Rufe nach einer größeren Eigenständigkeit der europäischen Länder in Verteidigungsfragen laut werden.

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