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Kanzler-Reise in die Golfregion: Merz ist so realistisch, dass es wehtut

February 07
12:16 2026

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Kanzler-Reise in die GolfregionMerz ist so realistisch, dass es wehtut

07.02.2026, 07:59 Uhr RTL01231-1Ein Kommentar von Volker PetersenArtikel anhören(05:18 min)00:00 / 05:18

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Bundeskanzler Friedrich Merz wird von Kronprinz Mohammed bin Salman am Yamama-Palast verabschiedet. (Foto: picture alliance/dpa)

Bundeskanzler Merz stärkt in der Golfregion die Kontakte zu den dortigen Regimen. Im eigenen wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Interesse. Das ist nicht falsch. Aber wie die Menschenrechte beiseitegeschoben werden, ist nicht alternativlos.

Es gibt diesen Satz: "Wir können uns unsere Freunde nicht mehr aussuchen." Der Satz birgt ziemlich viele der Herausforderungen, vor denen die deutsche Außenpolitik steht. Ob die USA Deutschland noch verteidigen würden, ist zweifelhaft. Russland ist unter Putin ein Gegner, der schon jetzt hybriden Krieg gegen Deutschland führt. China rollt Deutschland nicht mehr den Teppich aus, sondern überrollt den hiesigen Markt. Die eigenen Unternehmen können es jetzt allein und die Deutschen und Europäer müssen sehen, wo sie bleiben.

Das ist nur ein bisschen von dem "rauen Wind", den Bundeskanzler Friedrich Merz in seiner Rede in Davos beschrieb. Deswegen ist er nun in die Golfregion gereist, knüpft neue und pflegt alte Kontakte. Dahinter stehen Interessen: Saudi-Arabien will Deutschland grünen Wasserstoff liefern, der als sündhaft teurer "Champagner der Energiewende" dringend benötigt wird. Bis es so weit ist, könnte Katar mehr Flüssiggas nach Wilhelmshaven verschiffen, damit Deutschland nicht so abhängig von den USA ist. Und Waffen wollen sie auch kaufen, die Monarchien am Golf. Geld haben sie ja. Und sie interessieren sich für den Eurofighter.

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Das mag alles rational wirken, wie ein kühler Blick auf eine neue Welt. Es ist ja auch nicht falsch. Dennoch schmerzt es, mitanzusehen, wie der Bundeskanzler die Menschenrechtsfrage zur Fußnote degradiert. Wie er den saudischen Kronprinz Mohammed bin Salman als "beeindruckende Persönlichkeit" lobt. Jenen "MBS", der vor wenigen Jahren seine Schergen losschickte, um den Journalisten und Regimekritiker Jamal Khashoggi in Istanbul zu foltern und zu ermorden. Nun geht man "herzlich und offen" miteinander um, wie die deutsche Delegation verbreiten ließ.

Menschenrechte nur hinter verschlossenen Türen

Über die Menschenrechtslage habe er gesprochen, sagte Merz in Katar. Aber: "Ich werde dazu öffentlich keine Stellungnahme abgeben", kündigte er an. Die Themen spielten in den Gesprächen hinter verschlossenen Türen eine Rolle. Eine Formel, die seit Jahren so genutzt wird. Auch Kanzlerin Angela Merkel verwendete sie regelmäßig, etwa bei Besuchen in China.

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Merz und die CDU haben sich außerdem vorgenommen, es anders zu machen als die Ampel-Außenministerin Annalena Baerbock, die ihrer Wahrnehmung nach überall mit dem Zeigefinger herumwedelte. Dafür gab es daheim Applaus, aber neue Partnerschaften hat dieses Vorgehen nicht befördert. Das ist die Argumentation dahinter: Wenn man den Umgang mit Meinungsfreiheit und Unterdrückung hinter den Kulissen anspricht, erreicht man unter Umständen mehr.

Kann schon sein. Aber wo ist der Nachweis dafür? Für welche Dissidenten hat Merz sich denn eingesetzt? Oder ist es doch eher so, dass das Ansprechen der Menschenrechtsfrage zur lästigen Pflichtübung wird, bevor man endlich über Wasserstoff, Gas und Eurofighter verhandelt?

Unsere politischen Werte drohen so zum "Gedöns" zu verkommen, die hinter harten Interessen zurückstehen müssen. Dabei machen sie uns in Deutschland gerade jetzt aus, wo die Hälfte der USA sich von ihnen verabschiedet, Putin ihnen den Krieg erklärt hat und Xi sie freundlich-brutal weglächelt. Übrigens gehören Freiheit, Demokratie und Meinungsfreiheit zu den Gründen, warum junge Männer und Frauen freiwillig zur Bundeswehr gehen sollen. Und zu den Gründen, warum Deutschland die Ukraine unterstützt.

Nicht alternativlos

Natürlich hat es immer solche Länder gegeben, mit denen Deutschland Geschäfte gemacht hat, obwohl sie Unrechtsdiktaturen waren. Aber ins Südafrika der Apartheid reiste kein deutscher Bundeskanzler. Auch wurde General Pinochet in Chile nicht als „beeindruckende Persönlichkeit“ beschwärmt. Und in Teheran wurde seit der islamischen Revolution auch kein deutscher Regierungschef gesichtet.

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Es wäre zu billig, zu sagen: Mit solchen Leuten sollte sich die Bundesregierung nicht abgeben. So leicht kann es sich ein Bundeskanzler nicht machen. Es stimmt ja, Merz muss mit der Welt so umgehen, wie sie ist. Wir sehen ja, was passiert, wenn bei uns ein paar Jahre die Wirtschaft stagniert. Es quietscht an allen Ecken und Enden. Und es sitzen nun einmal nicht überall lupenreine Demokraten in den Präsidentenpalästen. Manchmal sind es auch kaltblütige Mörder.

Dennoch war diese Reise in die Golfregion nicht alternativlos. Es ist die Frage, ob ein Bundeskanzler persönlich nach Saudi-Arabien zu reisen hat. Und ob er dann in Freundschaftsgesten schwelgen muss. Ob er die Inhaftierten, die beinahe täglichen Hinrichtungen in Saudi-Arabien öffentlich beschweigen muss. Ob er sich damit nicht kleiner macht, als er ist. Es ist Realismus, schon klar. Aber es ist ein Realismus, der wehtut.

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