Milliardäre, Banker, Professoren: Diese Eliten haben Epstein Trost und Rat gespendet
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Milliardäre, Banker, ProfessorenDiese Eliten haben Epstein Trost und Rat gespendet
06.02.2026, 16:43 Uhr Artikel anhören(10:26 min)00:00 / 10:26
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Ihre Namen stehen in den Epstein-Akten, doch von dessen Taten wollen viele Eliten nichts mitbekommen haben. Andere Persönlichkeiten haben es schwerer, eine Mitwisserschaft zu bestreiten. Laut den aktuellen Unterlagen setzten sie sich mit den Vorwürfen gegen den Sexualstraftäter auseinander, um Rat und Trost zu spenden.
Der Reflex der Personen, die in den Epstein-Akten unfreiwillig auftauchen, ist fast immer derselbe: Ja, ich hatte Kontakte zu dem verurteilten Sexualstraftäter, aber mir war nicht bewusst, wie schlimm seine Taten wirklich waren. Sonst hätte ich den Kontakt sofort abgebrochen. Das bereue ich. Die Opfer möchte ich um Entschuldigung bitten.
Doch in vielen Fällen zeichnen die privaten Nachrichten, die vor einer Woche vom US-Justizministerium veröffentlicht wurden, ein anderes Bild. Im Juni 2008 legte Epstein ein Geständnis ab und wurde in Florida wegen der Aufforderung von Minderjährigen zur Prostitution rechtskräftig verurteilt. Von Juni 2008 bis Juli 2009 verbrachte er deshalb 13 Monate im Gefängnis. Anschließend kehrte Epstein als registrierter Sexualstraftäter nach New York zurück.
Bekannte Namen wie Tesla-Chef Elon Musk oder US-Handelsminister Howard Lutnick müssen seitdem erklären, warum sie den Kontakt mit Epstein aufrechterhalten und öffentlich falsche Angaben dazu gemacht haben. Immerhin: Sie haben den Finanzier augenscheinlich weder getröstet noch dabei geholfen, seinen Ruf und sein Image wiederherzustellen – anders als andere einflussreiche Persönlichkeiten. Das "Wall Street Journal" (WSJ) hat die Unterlagen gesichtet und einige Namen zusammengetragen. Hier ein kurzer Überblick.
(Prinz) Andrew Mountbatten-Windsor
Der britische Royal ist der bekannteste Epstein-Vertraute. Zahlreiche Kontakte von Andrew zum verurteilten Sexualstraftäter sind dokumentiert. Die Britin Virginia Giuffre erhob schwere Vorwürfe gegen den früheren Prinzen. Es überrascht nicht, dass Andrew ein freundschaftliches Verhältnis zu Epstein pflegte, wie das WSJ erneut dokumentiert: "Die Presse in den Staaten macht mich fertig", schreibt Epstein im Februar 2011. Andrew antwortet: "Es sieht so aus, als würden wir das gemeinsam durchstehen und darüber hinwegkommen müssen!"
Der Austausch fand dem Bericht zufolge ungefähr zu der Zeit statt, als die britische Zeitung "Mail on Sunday" das bekannte Foto von Andrew mit der damals 17-jährigen Guiffre veröffentlichte. Sie warf Epstein vor, sie an Männer verkauft zu haben, darunter auch an den früheren Prinzen. Andrew weist die Vorwürfe zurück.
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Steve Bannon
Steve Bannon entwickelte den bisherigen Dokumenten zufolge spät Interesse an Epstein. Auch der ehemalige Kommunikationsstratege von Donald Trump im Weißen Haus ließ sich aber nicht von den Taten des Finanziers beunruhigen, im Gegenteil: Als Epstein neun Jahre nach seiner Haftstrafe von seiner Vergangenheit eingeholt wurde, gab Bannon den PR-Berater: "Wer führt diesen Angriff gegen dich durch – da ist etwas Ernstes im Gange", schrieb Bannon in iMessages. "Ich verdiene damit meinen Lebensunterhalt – die Artikel sind gründlich recherchiert. Das ist eine ausgeklügelte Operation."
Anfang 2019 veröffentlichte der "Miami Herald" einen Artikel, in dem mehrere Epstein-Opfer zu Wort kamen und in dem die milde Strafe des Finanziers infrage gestellt wurde. Laut WSJ standen Epstein und Bannon zu dieser Zeit regelmäßig in Kontakt, um eine Strategie zu besprechen. "Weiter ignorieren?", fragte Epstein. "Angriff? Gastkommentar?"
Bannon wiegelte ab: Eine öffentliche Stellungnahme würde den Nachrichtenzyklus nur verlängern.
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Richard Branson
Auch mit Richard Branson, Gründer der Virgin Gruppe, tauschte sich Epstein nach seiner Haftstrafe über Kommunikationsstrategien aus, um seinen Ruf wiederherzustellen. Nach einem Besuch auf Neckar Island, der Privatinsel des britischen Milliardärs, bedankte sich Branson für den Besuch: "Freue mich immer, dich zu sehen, wenn du in der Gegend bist. Vorausgesetzt, du bringst deinen Harem mit!"
Auf Nachfrage von Epstein skizzierte Branson zudem eine PR-Strategie, die sich auf Microsoft-Gründer Bill Gates konzentrierte: "Ich denke, wenn Bill Gates bereit wäre zu sagen, dass du ein brillanter Berater warst, der vor vielen Jahren einen Fehler begangen hat, weil er mit einer 17½-Jährigen geschlafen hat, und du dafür bestraft wurdest, dass du deine Lektion mehr als gelernt und seitdem nichts mehr getan hast, was gegen das Gesetz verstößt und ja, du scheinst eine Vorliebe für Frauen zu haben, aber daran ist als Single nichts auszusetzen – irgendwie so etwas in der Art."
Eine Sprecherin von Branson verteidigt die Wortwahl des Milliardärs in einer Stellungnahme: Epstein habe das Wort "Harem" für erwachsene Frauen verwendet, die er mitgebracht habe. Branson hätte den Begriff nicht verwendet, wenn er von den Verbrechen gewusst hätte.
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Noam Chomsky
Avram Noam Chomsky ist ein US-amerikanischer Sprachwissenschaftler sowie politischer Publizist und Aktivist. Chomsky ist emeritierter Professor für Linguistik am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und gehört zu den bekanntesten Linguisten der Gegenwart. Und er war anscheinend ein sehr guter Freund von Jeffrey Epstein.
Im Februar 2019 – kurz nachdem Virginia Giuffre ihre Vorwürfe gegen Epstein öffentlich gemacht hatte – fragte dieser um Rat, wie er mit der "verfaulten Presse" umgehen solle. Chomsky riet ihm, zu schweigen: "Was die Geier unbedingt wollen, ist eine öffentliche Reaktion, die ihnen eine Plattform für giftige Angriffe bietet von Spinnern und Menschen, die gerne in der Öffentlichkeit stehen wollen."
Laut WSJ zeichnete Chomsky anschließend ein Bild von einer hysterischen Öffentlichkeit, die Frauen und Anschuldigen von sexuellem Missbrauch zu großen Glauben schenkt: "Schon das Infragestellen einer Anschuldigung ist ein Verbrechen, das schlimmer ist als Mord."
Fünf Monate später wurde Epstein wegen sexuellen Menschenhandels vom FBI verhaftet.
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Faith Kates
Faith Kates ist eine US-amerikanische Besitzerin einer Modelagentur. Und Jeffrey Epstein für sie anscheinend so etwas wie Familie: "Ich weiß, dass du mir das nicht glaubst, aber ich liebe dich wirklich wie einen Bruder und bin sehr traurig, dass das passiert ist", schrieb sie dem verurteilten Sexualverbrecher im März 2011. "Jetzt weißt du, wer deine Freunde sind", fuhr die heute 68-Jährige fort. "Der Rest ist ein Haufen Mist."
Kates spendete Epstein nicht nur Trost. Sie gab ihm zudem den Tipp, zu gegebener Zeit mit einem gemeinnützigen Projekt seinen Ruf wiederherzustellen: "Aber noch nicht jetzt, denn du bist immer noch ein Ziel für die Presse. Nur wenige Einrichtungen werden dein Geld derzeit annehmen."
Kates trat Ende November 2025 nach 36 Jahren ohne Angabe von Gründen aus ihrer Modelagentur Next Management aus, nachdem ihr Name erstmals in den Epstein-Unterlagen aufgetaucht war.
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Peter Mandelsohn
Der Fall Peter Mandelson zeigt wahrscheinlich am eindrücklichsten, wie wenig Konsequenzen selbst der bekannte Kontakt zu einem verurteilten Sexualverbrecher jahrelang hatte: Obwohl der britische Politiker einen engen Austausch mit Epstein pflegte, wurde er Anfang vergangenen Jahres vom britischen Premierminister Keir Starmer zum US-Botschafter ernannt. Erst im September wurde er nach ersten Epstein-Enthüllungen entlassen.
Nach der Veröffentlichung der jüngsten Unterlagen liegt die Karriere von Mandelsohn in Trümmern. Der Politiker trat aus der Labour-Partei aus, denn inzwischen ist bekannt: Er leistete Epstein emotionalen Beistand, als dieser im Juni 2008 seine Haftstrafe als verurteilter Sexualstraftäter antreten musste. "Ich bin verzweifelt und wütend über das, was passiert ist", schrieb Mandelsohn – damals EU-Handelskommissar – dem verurteilten Sexualstraftäter. "So etwas könnte in Großbritannien einfach nicht passieren."
Mandelsohn drängte Epstein dazu, durchzuhalten und "für eine vorzeitige Entlassung zu kämpfen". Sei "unglaublich widerstandsfähig", schrieb der Brite: "Ihre Freunde stehen Ihnen zur Seite und lieben Sie."
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Jes Staley
Jes Staley war an der Wall Street einer der ganz großen Namen. Jahrelang arbeitete er für die größte US-Bank JPMorgan Chase. Von 2015 bis 2021 war er Vorstandsvorsitzender der britischen Bank Barclays – und in all diesen Jahren augenscheinlich ein enger Freund von Epstein.
Als der Finanzier im Sommer 2008 seine Haftstrafe antreten musste, schrieb Staley laut WSJ: "Ich hoffe, du hältst durch." Im September schrieb Staley: "Ich vermisse dich." Und dann: "Ich hoffe, du behältst die Insel. Vielleicht müssen wir alle dort leben."
Zumindest zu einem Besuch kam es später: Wie das "Wall Street Journal" bereits 2023 berichtete, war Staley 2009 auf der Privatinsel von Epstein in der Karibik zu Gast. Als die Verbindungen bekannt wurden, trat er 2021 als Chef von Barclays zurück.

