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Ironie der Geschichte: Die Inflation quält Trump

January 18
12:46 2026

Wirtschaft

Ironie der GeschichteDie Inflation quält Trump

18.01.2026, 07:28 Uhr DSCF1383-2Von Jan Gänger und Laura Stresing (Grafiken)

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Gold gilt als Inflationsschutz. (Foto: REUTERS)

Die Preise an der Zapfsäule und im Supermarkt können in den USA Wahlen entscheiden. Vor einem Jahr profitierte Donald Trump davon. Doch mittlerweile ist die Inflation sein Problem.

Aus dem Wahlkampfschlager wurde ein Bumerang. Donald Trump gewann die Präsidentschaftswahl 2024 unter anderem deshalb, weil er über die Inflation schimpfte und die Demokratische Partei um Joe Biden und Kamala Harris verantwortlich machte. Ein Jahr später sind die Preise immer noch hoch, doch die Rollen haben sich umgekehrt.

Die oppositionellen Demokraten haben die "Erschwinglichkeitskrise" als politische Waffe entdeckt, nutzen sie ausgiebig – und erfolgreich. Sie erzielten Ende des vergangenen Jahres Wahlsiege, die ihnen Hoffnung für die US-Kongresswahlen im November machen. In New York wurde Zohran Mamdani Bürgermeister, der die hohen Lebenshaltungskosten ins Zentrum seiner Kampagne gestellt hatte und Abhilfe versprach. In den Bundesstaaten Virginia und New Jersey setzten sich die demokratischen Kandidaten unerwartet deutlich durch – auch sie hatten im Wahlkampf auf das Thema "Bezahlbarkeit" gesetzt.

Trumps Umfragewerte sind außerordentlich schlecht. Während ihm vor seinem Wahlsieg vor allem Kompetenz für Wirtschaft zugesprochen wurde, schwindet hier der Zuspruch stark. Besonders unzufrieden sind die US-Amerikaner damit, wie der Präsident mit der Inflation umgeht.

Trump wehrt sich auf seine Art. Entweder leugnet er, dass die Preise während seiner Amtszeit gestiegen sind. Oder er macht für den Preisanstieg die Demokraten verantwortlich. Zugleich versucht er, Preissenkungen zu erzwingen – unabhängig davon, ob er das überhaupt kann oder darf. So kündigte er beispielsweise an, die Kreditkartenzinsen zu deckeln und stellte in Aussicht, institutionellen Investoren den Kauf von Einfamilienhäusern zu verbieten.

Auch Trumps Versuch, Einfluss auf die US-Notenbank zu nehmen, ist in diesem Zusammenhang zu sehen. Sein Druck auf die Fed, die Zinsen zu senken, ist zumindest teilweise durch den Wunsch motiviert, Hypotheken günstiger zu machen. "Die Leute können seinetwegen keine Hypothek bekommen", ätzte er in seinem sozialen Netzwerk Truth Social gegen Jerome Powell, den Vorsitzenden der Fed. Was Trump dabei geflissentlich ignoriert: Niedrigere Zinsen sorgen tendenziell für höhere Inflation.

Die Inflation in den USA hat sich gegenüber ihren Höchstständen nach der Corona-Pandemie zwar deutlich abgeschwächt, aber sie liegt weiterhin über dem Niveau vor der Pandemie. Die allgemeine Preissteigerung ist so hoch wie am Ende der Amtszeit Bidens.

Wahrscheinlich ist die Inflationsrate noch höher als die im November und Dezember ausgewiesenen 2,7 Prozent. Viele Ökonomen gehen davon aus, dass die Daten durch den langen "Shutdown" der US-Regierung künstlich gedrückt wurden. Die US-Behörde BLS hat im Oktober keine Preise erheben können, das wird die Statistik noch ein paar Monate verzerren. Die Ratingagentur Moody's schätzt, dass die Inflationsrate bei Einbeziehung der fehlenden Daten bei etwa 3 Prozent liegen würde – und damit deutlich über dem Inflations-Ziel der US-Notenbank von 2 Prozent.

Trump hilft nicht, dass trotz der Preissteigerungen die pauschale Behauptung unzutreffend ist, US-Amerikaner könnten sich insgesamt weniger leisten als früher. Der wichtigste Indikator für "Bezahlbarkeit" und "Erschwinglichkeit" sind die Reallöhne. Sie zeigen, wie viel man mit seinem Gehalt unter Berücksichtigung der Inflation kaufen kann. Und in den USA sind die Durchschnittslöhne in den letzten Jahren stärker gestiegen als die Durchschnittspreise.

Das allgemeine Preisniveau liegt derzeit etwa 25 Prozent über dem Niveau vor der Corona-Pandemie vor sechs Jahren. Auch wenn sich der Anstieg verlangsamt hat, ist das eine für viele Amerikaner erschreckende Entwicklung. Die Nominallöhne (also die Löhne ohne Berücksichtigung der Inflation) sind derweil im Schnitt 30 Prozent gestiegen – überproportional stark in den unteren Lohngruppen. Doch das ist für viele kein Trost. Trump bekommt zu spüren, was schon Biden traf: Menschen nehmen Preissteigerungen sehr viel stärker wahr als Lohnsteigerungen.

Verstärkt wird dieses Phänomen dadurch, dass eine Reihe von alltäglichen Gütern sehr teuer geworden sind – etwa Eier, Kaffee, Steaks und Orangensaft. Sie sind ein Symbol für die "Erschwinglichkeitskrise" geworden, die Trump und seinen Republikanern zu schaffen macht.

Die Kosten für Wohnraum – sowohl für Mieter als auch für Eigentümer – sind ebenfalls stark gestiegen. Sie haben die Lohnsteigerungen bei weitem übertroffen.

Die Stimmung unter den Verbrauchern hat sich entsprechend verschlechtert. Der von der Universität Michigan ermittelte Index liegt fast 25 Prozent unter dem Wert vom Januar vergangenen Jahres, als Trump seine zweite Amtszeit begann. Vor allem die hohen Preise trüben die Stimmung. Sie sinkt besonders kräftig bei Menschen mit niedrigem Einkommen.

Trump hatte vor seinem Wahlsieg versprochen, die Preise "sehr, sehr schnell" zu senken und "Amerika wieder bezahlbar zu machen". Diese unerfüllbare Ankündigung fällt ihm jetzt auf die Füße. Denn ein allgemeiner Preisrückgang findet nur in einer tiefen Rezession statt. Und die dürfte sich der Präsident nicht herbeisehnen.

Hinzu kommt, dass Trumps wirkungsvollste Maßnahmen bei Preisen seine Zölle sind, die sie allerdings erhöhen. Wie sehr die Inflationsrate durch sie exakt steigt, ist unklar. Die US-Bank Goldman Sachs geht von 0,5 Prozentpunkten aus, der US-Ökonom Justin Wolfers – wie andere – von etwa einem Prozentpunkt.

Sogar Trump räumte ein, dass die Zölle "in einigen Fällen" zu Preissteigerungen führen könnten. Das Weiße Haus nahm Zölle auf zahlreiche Lebensmittel zurück, darunter Rindfleisch, Kaffee und Orangensaft.

Selbst bislang treue Wähler und Anhänger Trumps gehen aber von der Fahne. Die Rechtsaußen-Abgeordnete Marjorie Taylor Greene warf ihm vor, er habe in wichtigen Fragen den Kontakt zu den Wählern verloren, auch in der "Erschwinglichkeitskrise". "[Die Amerikaner] wissen, wie sehr ihre Rechnungen in den letzten fünf Jahren gestiegen sind, sie kaufen selbst ein und wissen, dass Lebensmittel zu teuer sind. Ihre Mieten sind gestiegen. (…) Sie sind einfach nicht dumm", so die glühende Maga-Anhängerin. Sie glaube derzeit nicht daran, dass die Republikaner die Zwischenwahlen gewinnen werden.

Trump beschimpfte Greene daraufhin als "Irre" und "Verräterin". Sie hat mittlerweile ihr Mandat im Repräsentantenhaus niedergelegt. Die hartnäckige Inflation dürfte Trump allerdings nicht so schnell loswerden.

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