Emmanuel Macron fordert von Israel Ende der Bombardierung von Gaza
Der französische Präsident Emmanuel Macron fordert Israel zur Einstellung der Bombardierung des Gazastreifens auf. Zudem müsse Israel aufhören, Zivilisten zu töten, sagte Macron in einem Interview mit der BBC . Es gebe »keine Rechtfertigung« für die Bombardierung. »Wir fordern Israel dazu auf, damit aufzuhören«, so Macron. »Ich möchte alle an das Völkerrecht erinnern, ich fordere eine Waffenruhe.«
Auf die Frage, ob er wolle, dass sich andere Staats- und Regierungschefs – auch in den Vereinigten Staaten und Großbritannien – seinen Forderungen nach einem Waffenstillstand anschließen, sagte Macron: »Ich hoffe, sie werden es tun«. Israel befürchtet allerdings, dass die islamistische Hamas eine Waffenruhe ausnutzen würde, um sich neu zu formieren.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu wies die Forderungen Macrons umgehend zurück. »Die Verantwortung für das Leid der Zivilisten liegt bei der Hamas, nicht bei Israel«, schrieb Netanyahu auf der Nachrichtenplattform X, ehemals Twitter. Die Hamas missbrauche Zivilisten als menschliche Schutzschilde. »Die Verbrechen, die die Hamas heute in Gaza verübt, wird sie morgen in Paris, New York und der ganzen Welt verüben. Die Staatschefs sollten die Hamas verurteilen, nicht Israel.«
WHO: 20 von 36 Krankenhäusern im Gazastreifen nicht mehr aktiv
Im Gazastreifen sind wegen der schweren Bombardierungen, Zerstörungen und dem Mangel an medizinischem Material 20 der 36 Krankenhäuser nicht mehr im Einsatz. Das berichtete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf. Auch die noch funktionierenden Krankenhäuser liefen nur im Notbetrieb, weil viele für eine normale Versorgung von Patientinnen und Patienten nicht genügend Desinfektionsmittel und Anästhesiepräparate oder Strom hätten. Die noch funktionierenden Krankenhäuser hätten teils doppelt so viele Patienten wie Betten, sagte WHO-Sprecherin Margaret Harris.
Die WHO hat demnach am Freitag Berichte über intensive Kampfhandlungen rund um das Schifa-Krankenhaus erhalten. »Wir haben aber keine Angaben zu Schäden«, sagte Harris. Das Schifa-Krankenhaus sei das einzige mit einer Kinderabteilung. Dort seien Kinder auf der Intensivstation und andere, die Dialyse benötigten. Eine Unterbrechung ihrer Versorgung sei für sie lebensgefährlich. Laut WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus stirbt im Gazastreifen im Durchschnitt alle zehn Minuten ein Kind.
Palästinensische Medien und die Terrororganisation Hamas berichteten am Freitag, es gebe Kämpfe in der Nähe mehrerer Krankenhäuser, darunter im Gebiet des Schifa-Krankenhauses. Der Direktor der größten Klinik des Gazastreifens, Mohammad Abu Salamija, sprach von »israelischen Angriffen« und »Bombardements« auf Gebäude der Klinik, in denen Notfälle behandelt würden und Geflüchtete Zuflucht gefunden hätten. Es gebe Tote und Verletzte.
Israels Armee machte hingegen die Hamas für den direkten Beschuss verantwortlich. Demnach soll ein fehl gefeuertes Projektil der Hamas, das auf israelische Truppen in der Nähe gerichtet gewesen sein soll, das Schifa-Krankenhaus getroffen haben. Die Angaben beider Seiten ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Das israelische Militär hatte am Donnerstag Angriffe im »Militärviertel« der Hamas in der Nähe der Schifa-Klinik mitgeteilt. Soldaten lieferten sich in dem Gebiet Kämpfe mit Dutzenden Terroristen, hieß es weiter. Tunnelschächte und Fabriken zur Raketenherstellung seien dort zerstört worden. Nach Angaben der Armee handelt es sich bei dem Gebiet um »das Herzstück der geheimdienstlichen und operativen Aktivitäten der Hamas«.
Israel: Hamas missbraucht Schifa-Klinik als Kommandozentrale
Dort sei auch das Massaker vom 7. Oktober im israelischen Grenzgebiet geplant worden. Erkenntnissen israelischer Geheimdienste zufolge missbraucht die in dem Küstengebiet herrschende Hamas auch die Schifa-Klinik als Kommando- und Kontrollzentrum. Auch diese Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) zeigte sich unterdessen alarmiert über den Zustand des Gesundheitssystems in dem Palästinensergebiet. Das Leben »tausender Verletzter, Kranker und Vertriebener« sei dadurch gefährdet, warnte die Organisation. Die Zerstörung von Krankenhäusern sei »unerträglich und muss aufhören«, erklärte das IKRK. Es betonte, gemäß dem Völkerrecht seien Krankenhäuser besonders geschützte Einrichtungen.
UNRWA: Forderung nach Ende des »Blutbads«
Der Leiter des Uno-Palästinenserhilfswerks (UNRWA), Philippe Lazzarini, forderte ein Ende des »Blutbads«. »Ganze Stadtteile dem Erdboden gleichzumachen, ist keine Antwort auf die ungeheuerlichen Verbrechen der Hamas«, erklärte er in Richtung Israel. Seit Beginn des Krieges vor rund fünf Wochen wurden laut Lazzarini bereits mehr als 100 UNRWA-Mitarbeiter getötet.
Unterdessen korrigierte die israelische Regierung die Zahl der Toten durch den Hamas-Angriff nach unten: Dabei seien etwa 1200 Menschen in Israel getötet worden, nicht 1400 wie bisher vermutet, sagte Außenministeriumssprecher Lior Haiat. Israel hatte der Hamas nach deren Angriff den Krieg erklärt. Bei israelischen Angriffen im Gazastreifen wurden seither nach Angaben der Hamas mehr als 11.000 Menschen getötet, darunter 4500 Kinder. Diese Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Um eine Flucht von Zivilisten aus dem besonders umkämpften Norden in den Süden des Gazastreifens zu ermöglichen, hatte Israel am Donnerstag nach Angaben der US-Regierung täglichen vierstündigen Feuerpausen zugestimmt.

