Ukrainekrieg: Mindestens 40 Tote bei Angriff auf ein Dorf – Selenskyj wirft Russland »brutales Verbrechen« vor
Bei einem russischen Angriff auf das Dorf Hrosa in der ukrainischen Region Charkiw sind Präsident Wolodymyr Selenskyj zufolge mindestens 48 Menschen getötet worden. Eine Rakete habe ein Lebensmittelgeschäft getroffen, teilte Selenskyj über den Kurznachrichtendienst Telegram mit.
Der Angriff in dem Ort nahe der Stadt Kupjansk ereignete sich nach Selenskyjs Angaben nicht weit entfernt von der Frontlinie. Es handele sich um ein »brutales russisches Verbrechen«. Andere ukrainische Quellen sprechen von 49 Opfern.
Nach Angaben des Leiters der Region Charkiw, Oleg Synehubow, gerieten ein Café und ein Geschäft, in dem sich zu diesem Zeitpunkt viele Besucher aufhielten, unter Beschuss. Demnach soll sich unter anderem ein sechsjähriger Junge unter den Opfern befinden. Der Beschuss habe sich gegen 13.15 Uhr Ortszeit ereignet, schrieb Synehubow auf Telegram. Es liefen Rettungsarbeiten. Laut Innenminister Ihor Klymenko soll zum Zeitpunkt des Angriffs eine Trauerfeier stattgefunden haben.
Die ukrainischen Behörden veröffentlichten Aufnahmen von Rettungskräften, die durch die Trümmer klettern. Auf den Bildern sind offenbar leblose Körper zu sehen, sie liegen neben Betonplatten und verbogenem Metall. Vor dem Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar 2022 wohnten in Hrosa rund 500 Menschen.
Selenskyj weilt derzeit im spanischen Granada, wo er an einem Treffen mit europäischen Staats- und Regierungschefs teilnimmt. Dort wollte er unter anderem für Verbesserungen bei der ukrainischen Flugabwehr werben. »Der russische Terror« müsse gestoppt werden, schrieb Selenskyj auf Telegram zu dem Angriff. Wer Russland etwa bei der Umgehung von Sanktionen helfe, sei mitschuldig an dem Verbrechen.
Die betroffene Region rund um die Stadt Kupjansk hatte die Ukraine im vergangenen Herbst bei ihrer Offensive im Nordosten des Landes aus russischer Besatzung befreit. Damals gelang es dem ukrainischen Militär, den Fluss Oskil zu überqueren und teilweise bis in das benachbarte Gebiet Luhansk vorzudringen. Inzwischen haben in der Region allerdings wieder die russischen Streitkräfte die Initiative erlangt. Seit Wochen toben wieder erbitterte Kämpfe im Osten der Region.

