Ukraine-Krieg: Wladimir Putin macht Erneuerung des Getreideabkommens von Bedingungen abhängig
Gut drei Stunden haben Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdoğan im russischen Sotschi miteinander gesprochen. Bei der Pressekonferenz des russischen und des türkischen Präsidenten wurde klar: Einen Durchbruch beim Ringen über eine Neuauflage des Getreidedeals gibt es nicht.
Putin knüpft eine Wiederbelebung des Abkommens zum Export ukrainischen Getreides an Bedingungen. Die westlichen Sanktionen gegen russische Nahrungs- und Düngemittel müssten aufgehoben werden, dann sei Russland zur Erneuerung der Vereinbarung bereit, sagte Putin nach dem Treffen am Schwarzen Meer. Erdoğan äußerte sich zuversichtlich, dass das Abkommen gerettet werden könne. Er kündigte neue Vorschläge gemeinsam mit den Vereinten Nationen an. Eine Alternative zu dem Abkommen gebe es nicht.
Von der Ukraine forderte Erdoğan eine größere Kompromissbereitschaft bei den Verhandlungen. »Die Ukraine muss vor allem ihre Forderungen aufweichen, damit gemeinsame Schritte mit Russland möglich werden«, sagt er in Sotschi vor Reportern. Zudem müsse mehr Getreide an afrikanische als an europäische Länder geliefert werden.
Russland hatte das von der Türkei und den Vereinten Nationen (Uno) vermittelte Abkommen für den sicheren Export ukrainischen Getreides über das Schwarze Meer im Juli nicht mehr verlängert. Darin vorgesehen sind sichere Korridore, in denen Frachtschiffe über das Schwarze Meer fahren können. Vor allem afrikanische Länder sind auf ukrainisches Getreide zur Versorgung ihrer Bevölkerungen angewiesen. Wegen des russischen Angriffskriegs exportiert die Ukraine weniger Getreide. Das verschärft die Nahrungskrise in Afrika und dem Nahen Osten.
Russland fordert im Gegenzug für eine Wiederherstellung der sicheren Korridore auch die Sicherstellung eigener Getreideexporte. Nach Ablauf des Abkommens konnten nur einige wenige Schiffe etwa den Hafen in Odessa mit ihrer Fracht verlassen. Zugleich wird aber versucht, das Getreide über ukrainische Häfen an der Donau zu exportieren. Russland greift diese Häfen aber regelmäßig mit Drohnen und Raketen an, um auch das zu verhindern. Die Häfen an der Donau sind mittlerweile zur wichtigsten Exportbasis der Ukraine für Getreide geworden.
Ukraine meldet mehrstündige Drohnenangriffe
Zuletzt kam es in der Nacht zum Montag zu einem dreieinhalbstündigen Drohnenangriff auf den Donau-Hafen Ismajil in der südukrainischen Oblast Odessa. Dabei wurden Lagerhäuser und Produktionsgebäude beschädigt, wie der Gouverneur der Region mitteilte. Etwa 17 Drohnen seien über Ismajil und der Umgebung von der Luftabwehr abgeschossen worden, einige hätten ihr Ziel getroffen, teilte Gouverneur Oleh Kiper über den Nachrichtendienst Telegram weiter mit. Zudem hätten Trümmerteile abgeschossener Drohnen mehrere Gebäude im Hafen in Brand gesetzt. Todesopfer oder Verletzte gebe es ersten Erkenntnissen zufolge nicht.
Bei den russischen Drohnenangriffen gingen der Ukraine zufolge auch im Nachbar- und Nato-Land Rumänien Fluggeräte nieder und explodierten. Die rumänische Regierung wies diese Darstellung zurück. Die Nachrichtenagentur Reuters konnte die Angaben unabhängig nicht überprüfen. Sollte Russland auch nur einen der Nato-Mitgliedstaaten angreifen, wäre dies nach Artikel 5 des Vertrages der Allianz ein sogenannter Bündnisfall. Dann müsste das gesamte Bündnis den angegriffenen Mitgliedstaat verteidigen.

