News zum Russland-Ukraine-Krieg: Das geschah in der Nacht zu Montag (4. September)
Was in den vergangenen Stunden geschah
Wenige Stunden vor dem Spitzentreffen zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdoğan hat Russland nach Angaben der ukrainischen Behörden einen der wichtigsten Getreideexporthäfen des Landes aus der Luft angegriffen. Die ukrainische Luftwaffe forderte die Bewohner des Hafens von Ismajil im äußersten Südwesten des Landes am Montag nach Mitternacht auf, sich in Sicherheit zu bringen. Einige ukrainische Medien berichteten von Explosionen in der Gegend.
Über das Ausmaß des Angriffs war zunächst nichts bekannt. Bereits am Sonntag waren die Donauhäfen in der Region Odessa Ziel russischer Luftangriffe.
Putin und Erdoğan wollen sich am Montag in der russischen Schwarzmeerstadt Sotschi treffen. Dabei soll es vor allem um die Frage gehen, wie Getreideexporte aus der Ukraine künftig geregelt werden können. Die Regierung in Ankara versucht, Putin zu einer Rückkehr zu dem bis Juli mehrfach verlängerten Abkommen zu bewegen.
Das sagt Kiew
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat erklärte, er habe mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron eine »sehr wichtige Vereinbarung über die Ausbildung unserer Piloten in Frankreich« getroffen. Er und Macron hätten auch darüber gesprochen, was Frankreich zum Schutz der Stadt Odessa und der dortigen Region beitragen könne, sagte Selenskyj in einer Videoansprache.
Zudem wechselt der Präsident seinen Verteidigungsminister Olexij Resnikow aus. Er werde dem Parlament den Chef des staatlichen Vermögensfonds, Rustem Umerow, als Nachfolger vorschlagen, teilte Selenskyj mit. Der Schritt war seit Längerem erwartet worden.
Resnikow habe 550 Tage auf dem Posten des Ministers seit Beginn des russischen Angriffskriegs verbracht. »Ich bin der Meinung, dass das Ministerium neue Herangehensweisen braucht und andere Formate der Zusammenarbeit mit den Soldaten und der Gesellschaft insgesamt«, sagte Selenskyj.
Das sagt Moskau
Russische Luftabwehrsysteme haben nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums zwei von der Ukraine gestartete Drohnen über der Oblast Kursk abgeschossen. Die Region liegt im Süden Russlands und grenzt an die Ukraine. Die Angaben lassen sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen. Eine Stellungnahme der Ukraine liegt nicht vor. Die Regierung in Kiew äußert sich fast nie öffentlich zu Angriffen in Russland oder auf russisch kontrolliertem Gebiet in der Ukraine.
Die russische Einheit, die in der Ukraine erstmals luftgestützte Hyperschallraketen vom Typ Kinschal abfeuerte, wird nach Angaben der Nachrichtenagentur Tass mit staatlichen Auszeichnungen geehrt. »Das Flugzeug Su-34 hat die Kinschal-Hyperschallrakete während der speziellen Militäroperation eingesetzt«, zitierte Tass aus Militärkreisen. »Die erste Besatzung, die diese Aufgabe erfolgreich gemeistert hat, hat staatliche Auszeichnungen erhalten.« Wann Russland die Hyperschallrakete in der Ukraine zum ersten Mal eingesetzt hat, ist nicht bekannt. Das ukrainische Militär erklärt, Russland verwende sie häufig.
Waffenlieferungen an die Ukraine
Der ukrainische Präsidentenberater Mychailo Podolyak dringt erneut auf eine schnelle Lieferung von Taurus-Raketen aus Deutschland. »Es ist notwendig, Entscheidungen schneller und entschiedener zu treffen – nicht heute, sondern gestern, nicht gestern, sondern vorgestern. Die Entscheidungen werden ohnehin getroffen. Wir sprechen heute über Taurus, wir sprechen über Langstreckenraketen, und die Entscheidung wird getroffen, es gibt keine andere Möglichkeit, die russische Logistik und die Nachhut zu zerstören, also wird Taurus gebraucht, nicht um das russische Territorium anzugreifen, sondern um die Ressourcen der Besatzer zu zerstören. Sobald wir die strategischen Lager zerstören, gibt es keine Möglichkeit mehr, die russische Armee zu verstärken«, sagte Podolyak der »Bild«- Zeitung. Der Mangel an Waffen habe im vergangenen Jahr einen schnelleren Vormarsch der ukrainischen Armee verhindert.
Internationale Reaktionen
Eine Untersuchungskommission hat nach Angaben von Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa keine Beweise dafür gefunden, dass das Land im Dezember Waffen oder Munition auf ein russisches Schiff verladen hat. Keine der Anschuldigungen habe sich als wahr erwiesen und diejenigen, die die Vorwürfe erhoben hätten, könnten ihre Behauptungen nicht belegen, sagte Ramaphosa bei einer Ansprache an die Nation am Sonntagabend. Die Regierung werde in Kürze eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Kommission veröffentlichen – aufgrund »vertraulicher Militärinformationen« aber nicht den vollständigen Bericht, sagte der Präsident.
Im Mai hatte der US-Botschafter in Pretoria Südafrikas Regierung vorgeworfen, Waffen und Munition an Russland geliefert zu haben für den Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Munitionslieferung soll über ein mit Sanktionen belegtes russisches Schiff, das im vergangenen Dezember an einem Marinestützpunkt in der Nähe von Kapstadt angedockt hatte, erfolgt sein. Offiziell hat sich Südafrika in dem Konflikt für neutral erklärt. Ramaphosa leitete auf Drängen der Opposition im Parlament eine Prüfung der Angelegenheit ein.
Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock hatte die Berichte damals »besorgniserregend« genannt. Wer Waffen an Russland liefere, verlängere einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg, warnte sie.

