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Corona-Pandemie verschärft laut Unicef-Studie Probleme von Kindern

September 03
04:46 2020
Mädchen auf dem Spielplatz: Mobbing zwischen Gleichaltrigen bleibt ein ernstes Problem Icon: vergrößern

Mädchen auf dem Spielplatz: Mobbing zwischen Gleichaltrigen bleibt ein ernstes Problem

Foto: aldomurillo / Getty Images

Der Spielplatz gleich um die Ecke. Liebevolle Eltern, die Zeit und Verständnis haben. Eine Lehrerin, die den Unterricht kreativ gestaltet, Freunde, die einem beistehen – wichtige Zutaten für eine glückliche Kindheit. Und oftmals keine Selbstverständlichkeit. Auch in wohlhabenden Industrienationen gibt es viel zu viele Kinder, die unglücklich sind, wie aus einem neuen Bericht von Unicef hervorgeht.

Für die Studie "Einflusssphären – was das Wohlergehen von Kindern in reichen Ländern prägt" haben Wissenschaftler Daten aus 41 Ländern der OECD und der Europäischen Union zur psychischen und physischen Gesundheit von Kindern sowie zu ihren schulischen sozialen Kompetenzen und den damit verbundenen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ausgewertet.

Die Ergebnisse im Einzelnen

Mentale Gesundheit:

  • In der Türkei sind nur rund die Hälfte (53 Prozent) aller 15-jährigen Jugendlichen mit ihrem Leben zufrieden. Dahinter liegen Japan und Großbritannien. In Deutschland haben drei Viertel der Mädchen und Jungen eine hohe Lebenszufriedenheit. Und in den Niederlanden sind es sogar 90 Prozent.

  • Kindern, die von ihren Familien kaum unterstützt oder nicht in Entscheidungen zu Spiel- und Freizeitangeboten oder zur Schule einbezogen werden, geht es mental deutlich schlechter. Vor allem in Rumänien, Estland, Norwegen, Polen, Israel und Malta (jeweils mehr als 60 Prozent) dürfen Kinder laut der Studie mit entscheiden. In Belgien, Italien und der Schweiz hingegen darf sich weniger als die Hälfte der Kinder an Entscheidungen beteiligen.

  • Mobbing zwischen Gleichaltrigen bleibt ein ernstes Problem. Es hat nachhaltig negative Auswirkungen auf zwischenmenschliche Beziehungen und die Gesundheit.

Körperliche Gesundheit:

  • Der Anteil der Kinder mit Fettleibigkeit (Adipositas) und Übergewicht ist laut Unicef in den vergangenen Jahren gestiegen. In zehn der untersuchten Länder ist mehr als ein Drittel aller Kinder entweder adipös oder übergewichtig. Vor allem in den USA (42 Prozent), Neuseeland (39 Prozent), Griechenland, Malta und Italien (je 37 Prozent) ist das ein großes Problem. In Deutschland liegt der Anteil bei 27 Prozent, in Japan bei 14 Prozent.

Soziale und intellektuelle Kompetenzen:

  • Rund 40 Prozent aller Kinder in EU- und OECD-Ländern verfügen mit 15 Jahren nicht über grundlegende Fähigkeiten im Lesen und Rechnen, heißt es im Unicef-Report. Jugendliche in Bulgarien, Rumänien und Chile schneiden hier im Vergleich am schlechtesten ab. Die besten Werte erreichen die Mädchen und Jungen in Estland, Irland und Finnland.

  • In den meisten Ländern hat eines von fünf Kindern nur wenig Vertrauen in seine soziale Fähigkeit, neue Freunde zu finden. Kinder in Chile, Japan und Island sind in dieser Hinsicht am wenigsten zuversichtlich. In Deutschland sagen hingegen knapp drei Viertel (72 Prozent) der Mädchen und Jungen, dass es ihnen leichtfällt, Freunde zu finden.

Wirtschaftliche Ressourcen:

  • In fast der Hälfte aller untersuchten Länder leben 20 Prozent aller Kinder in relativer Armut. In der Türkei, Rumänien und Israel sind es mehr als 30 Prozent. In vielen Ländern ist bei den ärmsten Kindern das Risiko höher, an Depressionen und Übergewicht zu erkranken.

Internetnutzung:

  • Die Zeit, die 9- bis 16-Jährige im Internet verbringen, wächst rasant. In den USA sind fast die Hälfte aller Jugendlichen (45 Prozent) fast immer mit dem Netz verbunden. Vor drei Jahren waren das nur ein knapp ein Viertel (24 Prozent).

  • In elf europäischen Ländern nutzen Kinder und Jugendliche das Internet fast doppelt so viel wie noch vor neun Jahren. Verbrachten sie im Jahr 2010 eineinhalb Stunden am Tag im Internet, waren es in den Jahren 2018/19 bereits drei Stunden. In Norwegen gab es die größte Veränderung. Hier nutzten Kinder und Jugendliche 2018/19 das Internet mehr als dreieinhalb Stunden am Tag. Im Jahr 2010 waren es noch zwei Stunden.

Durch die Corona-Pandemie könnten sich die Probleme der Kinder und Jugendlichen laut der Wissenschaftler weiter verschärfen. Schulschließungen, strikte Ausgangsbeschränkungen oder der Verlust von Angehörigen haben Kinder enorm belastet. Mit dem Rückgang der Wirtschaftsleistung in fast allen untersuchten Ländern könnte zudem die Kinderarmut steigen.

Unicef fordert die Regierungen der Länder daher dazu auf, die Einkommensungleichheit und Kinderarmut zu bekämpfen und ausreichend Hilfsangebote zur Verfügung zu stellen, um mentale Probleme der Jugendlichen zu bekämpfen. Zudem sollte es Eltern einfacher gemacht werden, Familie und Beruf zu vereinbaren, etwa mit mehr hochwertigen, flexiblen und bezahlbaren Betreuungsangeboten für Kinder.

Icon: Der Spiegel

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