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: Ukrainische Kriegsgefangene berichten von russischer Folter

August 16
12:46 2023

Die Aussagen sind zahlreich, die Vorwürfe schwer: Ein Dutzend ukrainischer Kriegsgefangener hat nach der Rückkehr in die Ukraine die Haftbedingungen in Russland geschildert. In Interviews mit der BBC berichteten die Soldatinnen und Soldaten unter anderem von wiederholter Prügel auf Brust- und Nierenbereich, sowie Stromschlägen, mit denen sie von russischen Aufsehern gefoltert worden seien.

So sollen die Gefangenen unter anderem zum Ablegen falscher Geständnisse gezwungen worden sein, die später gegen sie verwendet wurden. Außerdem sollen die Ukrainer den Schilderungen zufolge nicht ausreichend ernährt und medizinisch versorgt worden sein. Die BBC konnte die Darstellungen nach eigenen Angaben nicht vollständig unabhängig prüfen, teilweise hätten einzelne Schilderungen jedoch übereingestimmt.

Darstellungen untermauern Berichte über das Lager Taganrog

Zu der Folter und den Misshandlungen soll es laut den ehemaligen Kriegsgefangenen in einer Haftanstalt in Taganrog westlich der Großstadt Rostow am Don gekommen sein. Vor Beginn des russischen Angriffskrieges sollen dort ausschließlich russische Gefangene eingesessen haben.

Ukrainische Medien und Menschenrechtsorganisationen hatten in der Vergangenheit bereits mehrfach anhand von Schilderungen ehemaliger Gefangener über Folter in dem Lager berichtet. Diese Darstellungen werden durch den BBC-Bericht nun untermauert.

Russland erlaubt unabhängigen Beobachtern keinen Zutritt zu den Haftanstalten. Auf eine Anfrage zu den Vorwürfen reagierte Russlands Verteidigungsministerium laut BBC nicht.

Nach Angaben des ukrainischen Menschenrechtsbeauftragten Dmytro Lubinez berichten etwa neun von zehn früheren ukrainischen Kriegsgefangenen von Folter in russischer Haft. Die Zahlen lassen sich nicht unabhängig verifizieren. Vorwürfe der Folter russischer Soldaten wurden in der Vergangenheit auch gegen die ukrainische Seite erhoben.

»Ihr werdet hier bis zum Ende eures Lebens verrotten«

In den Interviews schildern die Soldaten eindrücklich, dass ihr Alltag in Taganrog von Demütigungen und Misshandlungen durchzogen gewesen sei. Ein Leutnant, der nach eigenen Angaben bereits seit Monaten in russischer Kriegsgefangenschaft war, bevor er im September in das Lager gebracht wurde, berichtet etwa, dass die Erniedrigungen schon bei der Ankunft in der Anstalt begannen. »Ihr werdet hier bis zum Ende eures Lebens verrotten«, sollen ihnen russische Soldaten gesagt haben, bevor sie in einer Art Begrüßungsritual unter anderem mit Eisenstangen verprügelt worden seien.

Den Schilderungen zufolge soll es das Gefängnispersonal insbesondere auf Mitglieder des Asow-Regiments abgesehen haben. Das Regiment mit neonazistischer Vergangenheit dient Moskau immer wieder als Rechtfertigung für den seit Februar 2022 dauernden Angriffskrieg und für die Behauptung, die Ukraine angeblich von »Faschisten« zu »befreien«.

Ein Soldat, der nach der Schlacht um das Asow-Stahlwerk nahe der Stadt Mariupol in Gefangenschaft geriet, schilderte der BBC, dass russische Soldaten zuerst gezielt nach Hakenkreuz-Tattoos gesucht, schließlich aber auch andere Tattoomotive zum Anlass genommen hätten, die Ukrainer zu foltern.

Unter den interviewten Kriegsgefangenen waren auch Frauen. Auch sie wurden den Schilderungen nach vom russischen Wachpersonal körperlich misshandelt, teils hätten sie sich auch vor den Wachleuten entkleiden müssen.

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