News des Tages: AfD, Till Lindemann und serbische Putin-Fans
Im August geht die Lage am Abend auf Weltreise: SPIEGEL-Korrespondentinnen und -Reporter berichten aus den Metropolen und entlegenen Ecken Asiens, Afrikas, Amerikas und Europas. Und natürlich bekommen Sie hier auch weiterhin Ihr Nachrichten-Briefing: News, Meinung, Stories – alles, was am Tag wirklich wichtig ist.
1. Die AfD überholt Salvini und Meloni
Wenn ich in Italien früher über die schrillen Parolen und die Erfolge von Matteo Salvini und Giorgia Meloni diskutierte, haben mich Freunde oft gefragt: Und bei euch, wie ist es da mit den Parteien am rechten Rand?
Meistens konnte ich sie beruhigen. Die AfD spielt keine große Rolle, sagte ich.
Und nun? Wen die Umfragerekorde der AfD noch nicht beunruhigt haben, dem empfehle ich den Report »Extrem verharmlost« meiner Berliner Kollegin Ann-Katrin Müller zur Lektüre. Auf dem jüngsten Parteitag in Magdeburg hörte Ann-Katrin Töne, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Zum Beispiel vom Vorsitzenden einer bulgarischen Schwesterpartei der AfD. Es sei »höchste Zeit, dass Ihr Land seinen rechtmäßigen Platz als Großmacht einnimmt – und das nicht nur in Europa«, rief der Mann unter dem Applaus des Publikums.
In Magdeburg habe die AfD gezeigt, dass sie in großen Teilen rechtsextrem ist, schreibt Ann-Katrin. »Auf der Bühne wurden demokratiefeindliche, völkische oder rassistische Reden geschwungen.«
Wenn ich in Italien das nächste Mal nach deutschen Rechtspopulisten gefragt werde, zitiere ich den Bericht von Ann-Katrin. Die Parolen der AfD kommen mir deutlich härter vor als jene von Meloni und Salvini.
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Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Extrem verharmlost
2. Rammstein-Star Till Lindemann und das Mädchen
Das neueste Kapitel in der Rammstein-Saga beginnt an der Mecklenburgischen Seenplatte im Jahre 2010. Wieder dreht es sich um Frontmann Till Lindemann und dessen mutmaßliches Fehlverhalten gegenüber Frauen.
Ein SPIEGEL-Team um Juliane Löffler zeichnet in einer detaillierten Recherche nach, was ein damals 15-jähriges Mädchen von ihren Begegnungen mit dem Star erinnert. Es sei zu einem Kuss gekommen, später auch zu einem sexuellen Verhältnis. Freundinnen und Familienmitglieder untermauern die Schilderungen von Nina Huber, wie sie im Artikel heißt, um ihre Identität zu schützen, ebenso wie alte Aufzeichnungen. »Krass«, »faszinierend« und »voll krank«, haben zwei Freundinnen in ihren Tagebüchern damals über Hubers mutmaßliche Treffen mit Lindemann geschrieben.
Lindemanns Anwälte haben SPIEGEL-Fragen dazu nicht beantwortet.
Die Kolleginnen und Kollegen schreiben: »Es ist eine Geschichte, die in das engste Umfeld der Band Rammstein hineinführt. Eine Geschichte, die von jugendlichem Übermut handelt und von getrübtem Verantwortungsbewusstsein Erwachsener. Von Verliebtheit und einem enormen Machtgefälle. Und von einem Mann, der den Blick dafür verloren zu haben scheint, wann die eigene Befriedigung anderen schadet.«
Bei der Lektüre des bewegenden Reports stellen sich viele Fragen. Urteilen Sie selbst.
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Lesen Sie hier die ganze Geschichte: »Ich war viel zu jung«
3. Putin-Fans in Belgrad
Wenn mein Kollege Walter Mayr vom Balkan berichtet, öffnet sich mir immer eine fremde Welt. In seinem neuesten Stück beschreibt er den serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić als einen Mann, der »das Zeug zum Brandstifter hat«. Droht in Belgrad etwa eine neue Krise, die man im Westen kaum auf dem Bildschirm hat?
Seit einem Amoklauf im Mai, bei dem 18 Menschen starben, protestieren immer wieder Zehntausende gegen den autokratisch regierenden Präsidenten. Vučić habe die staatlichen Institutionen ruiniert, »den gesellschaftlichen Dialog unterbunden, das Parlament bedeutungslos gemacht«, sagt die Menschenrechtsaktivistin Sonja Biserko dem SPIEGEL.
Doch die Proteste können den Präsidenten nicht stoppen. Mal werden von seinen Anhängern Soldaten der von der Nato geführten internationalen Militäreinheit Kfor verprügelt. Mal schwingt er sich zum Fürsprecher sämtlicher Serben auf, auch jener in Bosnien und Herzegowina, Montenegro und Kosovo. Die US-Regierung warnt bereits, dass Vučićs Geheimdienstchef russische Aktivitäten unterstütze, »die die Sicherheit und Stabilität auf dem westlichen Balkan untergraben«.
Wladimir Putin kann sich unterdessen über die Entwicklung in Serbien freuen: 45 Prozent der Menschen bezeichnen ihn in Umfragen als den besten Spitzenpolitiker weltweit.
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Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Der Puppenspieler von Belgrad
Nachrichten und Hintergründe zum Krieg in der Ukraine:
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Jetzt fürchtet Polen die Wagner-Söldner: Russische Wagner-Söldner sind laut Polens Premier Morawiecki in der Nähe der »Suwalki-Lücke« gesichtet worden: Der schmale Streifen ist die einzige Landverbindung zwischen Nato-Gebiet und dem Baltikum. Planen sie einen Angriff?
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Moskau rekrutiert neue Soldaten: Die russische Armee könne auf mehr als 231.000 neue Vertragssoldaten zurückgreifen, behauptet der Kreml. Derweil verpflichten sich 90 Staaten zu Maßnahmen gegen den Einsatz von Nahrungsmitteln als Kriegswaffe.
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Geheime Nachrichten dokumentieren Moskaukontakte von AfD-Mitarbeiter: Ein prorussischer Aktivist suchte nach SPIEGEL-Recherchen in Moskau Unterstützung für eine Klage der AfD. Das Ziel: die deutschen Waffenlieferungen an die Ukraine zu verzögern .
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Hier finden Sie alle aktuellen Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine: Das News-Update
Was heute sonst noch wichtig ist
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Russisches Gericht verurteilt Nawalny zu 19 Jahren Haft: Alexej Nawalny gilt als einer der schärfsten Kritiker Wladimir Putins und sitzt bereits im Straflager. Nun ist er in einem weiteren fragwürdigen Prozess verurteilt worden.
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ADAC warnt vor Staus am Wochenende: Die Ferien sind vielerorts zu Ende, Urlauber wollen nach Hause: Am Wochenende dürften die Straßen voll werden. Wo besonders Stau droht.
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Mehr Kinder gehen auf lebensgefährlichen Fußmarsch durch Darién-Dschungel: Die Migrationskrise in Lateinamerika hat Folgen: Zehntausende Kinder sollen in diesem Jahr bereits den Darién Gap zwischen Kolumbien und Panama durchlaufen haben. Die Hälfte davon ist laut Unicef nicht einmal fünf Jahre alt.
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Forscher begeistert über Skelettfund in ehemaligem Tagebau: Die Beine sehen nach Säugetier aus, aber nach welchem? Wissenschaftler sind in der Grube Messel bei Darmstadt auf Knochen gestoßen. Sie wittern einen spektakulären Fund.
Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen
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Was Deutschland tun muss, um der Dauerflaute zu entkommen: Rezession? Wäre noch verkraftbar. Was schlimmer für Beschäftigte und Unternehmen ist: Deutschland steht vor einer langen Phase schwachen Wachstums. Dabei könnte die Bundesregierung gegensteuern. Die SPIEGEL-Analyse.
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Die beschämende Geschichte hinter dem Fall Wolff: Der Journalist Fabian Wolff gibt sich als Jude aus, schreibt provokante Texte. Dann stellt sich heraus: An seiner Erzählung stimmt so gut wie nichts. Wie reagieren die, die er getäuscht hat – und was sagt er selbst?
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»Junge Menschen fühlen sich von historischen Motiven angezogen«: Deutsche Reisende haben in Italien eine 150 Jahre alte Statue versehentlich umgestoßen. Immer wieder demolieren nachlässige Touristen wertvolle Kunstschätze. Restaurator Wanja Wedekind kennt ein paar Beispiele .
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Spiel mit Fehlerkette: Die Vize-Europameisterinnen sind auf dem harten Boden der Realität gelandet: WM-Aus in der Vorrunde gegen vermeintlich kleine Gegner. Ein Blick auf zentrale Fehler und Versäumnisse .
Was heute weniger wichtig ist
Trost vom Schoßhund: Einen traurigen Sommer verbringt Marta Fascina offenkundig in der pompösen Villa San Martina ihres im Juni mit 86 Jahren verstorbenen Lebensgefährten Silvio Berlusconi. Italienische Medien berichten, dass die 33-jährige Politikerin zurzeit ohne Verwandte und Freunde in der Residenz aus dem 18. Jahrhundert lebe und diese nicht verlasse .
Berlusconi, der Fascina nach einer symbolischen Hochzeit seine »Ehefrau« genannt hatte, ist nicht weit entfernt: Sein Mausoleum mit dem rosafarbenen Sarkophag befindet sich im Park der Villa. Wie lange die Abgeordnete von Forza Italia in dem schlossartigen Anwesen bleiben darf, ist ungewiss – der Milliardär hat es nicht ihr, sondern seinen fünf Kindern hinterlassen. Immerhin: Fascina bekam per Testament 100 Millionen Euro zugesprochen. Trost kann sie bei Dudù finden, dem weißen Pudel des Ex-Premiers. Das sei jetzt »ihr Hund« , soll sie gesagt haben.
Mini-Hohlspiegel
Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages
Und am Wochenende?
Wenn Sie gerade in Italien Urlaub machen (oder machen würden), dann schauen Sie sich die geniale Cartoonserie »This World Can’t Tear Me Down« an, die seit diesem Sommer auf Netflix läuft. Comiczeichner Zerocalcare zeigt Ihnen Szenen, die Sie am Strand von Rimini oder auf Capri garantiert nicht zu sehen bekommen: Linke und Rechte streiten in einem Vorort über ein neues Flüchtlingszentrum, es geht um Freundschaften, Gewalt und Politik.
»Questo mondo non mi renderà cattivo«, wie die Serie auf Italienisch heißt (»Diese Welt wird mich nicht schlecht machen«) ist eine sarkastische, rasend schnelle und höchst unterhaltsame Einführung in italienische Lebenswelten. Und ein Feuerwerk an Referenzen: Die Anspielungen reichen von »Downton Abbey« über »Games of Thrones« bis zu »Narcos« und Orpheus und Eurydike.
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihr Frank Hornig, Korrespondent

