Drohnenangriff auf Hochhaus in Moskau, Sorge um Getreideschiffe
Botschafter Makeiev – keine Verhandlungslösung mit Russland
Die Ukraine sieht weiterhin keine Chance für einen Verhandlungsfrieden mit Russland. »Dieser Frieden muss erkämpft werden. Und Russland muss besiegt werden. Sonst gibt es keinen Frieden«, sagt der ukrainische Botschafter in Berlin, Oleksii Makeiev, den Zeitungen »Rheinische Post« und »General-Anzeiger«. Russland könne den Krieg schnell beenden, indem es alle seine Truppen aus den besetzten Gebieten zurückziehe – inklusive von der Krim. Zugleich warnt er vor einer Eskalation des Krieges.
Auf die Frage nach einem möglichen Einsatz russischer Atomwaffen antwortet er: »Wir haben gesehen, dass Putin zu allem bereit ist. Ihm ist alles zuzutrauen. Keiner hat es geglaubt, wir haben seit vielen, vielen Jahren gewarnt, etwa, dass er Gas als Waffe einsetzt. So ist es gekommen. Wir Ukrainer müssen auf jede Entwicklung eingestellt sein.«
Drohnenangriffe auf Charkiw
In der Stadt Charkiw sind bei nächtlichen russischen Angriffen nach ukrainischen Angaben mehrere Drohnen in bewohntem Gebiet niedergegangen. »Eine der Drohnen hat zwei Stockwerke eines Studentenwohnheims zerstört«, teilte Bürgermeister Ihor Terechow über Telegram mit. »Ein Feuer ist ausgebrochen und die Rettungskräfte sind vor Ort.« Bilder in den sozialen Medien zeigten das brennende Dach eines Gebäudes, aus dem Rauch aufsteigt. Er sprach von drei Anschlägen auf die Stadt. Der Polizeichef der Region, Wolodymyr Tymoschko, sagt, es habe zwei Angriffe in der Nacht gegeben – einen auf die Universität und einen auf das Stadtzentrum. Das Gebäude der Hochschule sei zur Hälfte zerstört worden. Das Gebäude der Universität sei zum Zeitpunkt des Einschlags leer gewesen. Im Stadtzentrum sei eine Person verletzt worden, sagte er dem staatlichen Fernsehsender Suspiln.
Moskau: Wieder Drohnenangriffe abgewehrt
Die russische Hauptstadt Moskau ist nach Angaben von Bürgermeister Sergej Sobjanin erneut Ziel eines feindlichen Drohnenangriffs geworden. Mehrere Drohnen seien in der Nacht zu Dienstag beim Versuch nach Moskau zu fliegen, mithilfe von Luftverteidigungssystemen abgeschossen worden, teilte Sobjanin in seinem Blog bei Telegram mit. Eine Drohne habe die Fassade eines Hochhauses beschädigt. Informationen über Verletzte gebe es nicht. Laut staatlicher Nachrichtenagentur Tass traf eine Drohne das Hochhaus der Stadtverwaltung, im 17. Stockwerk gebe es Schäden. Fotos zeigen kaputte Fenster an dem Gebäude.
Laut russischen Verteidigungsministerium habe es sich um ukrainische Drohnen gehandelt, berichtete Tass. Zwei seien über Moskau abgeschossen worden. Eine habe die Stadt getroffen. Der Agentur Tass zufolge gab es auch auf dem Moskauer Flughafen Wnukowo wegen der Gefahrenlage zeitweilig keine Starts und Landungen. Flüge seien umgeleitet worden. Kiew hat eine Beteiligung an Drohnen-Attacken offiziell nicht eingestanden.
Die Millionenmetropole war bereits mehrfach Ziel von Drohnenangriffen, die allerdings in keinem Verhältnis stehen zu den massenhaften Attacken Russlands in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine. Moskau beschießt auch die Hauptstadt Kiew immer wieder mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern. Es gab in Kiew Tote, Verletzte und massive Schäden. Russland führt gegen die Ukraine seit mehr als 17 Monaten einen zerstörerischen Angriffskrieg.
Selenskyjs Forderungen nach Angriff auf Heimatort
Nach den schweren Raketenangriffen unter anderem auf seine Heimatstadt Krywyj Rih hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erneut schärfere Sanktionen gegen Russland gefordert. »Der weltweite Sanktionsdruck gegen Russland verdient eine deutliche Steigerung«, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache am Montag. Insbesondere müssten Sanktionslücken geschlossen werden, mithilfe derer Russland seine Waffenproduktion am Laufen halte.
Darüber hinaus pochte der ukrainische Staatschef einmal mehr auf Raketen mit längerer Reichweite für sein Land. Dies sei nötig, »damit wir diese terroristische Bedrohung beseitigen können, die Russland gegen unser Volk, gegen unsere Kinder erschafft«, sagte er.
Russland hatte zuvor im Süden der Ukraine neben Krywyj Rih auch die Stadt Cherson angegriffen. In Krywyj Rih schlugen zwei russische Raketen in ein neunstöckiges Wohnhaus und ein Gebäude der Universität ein. Zuletzt war von sechs Toten und 75 Verletzten die Rede, darunter auch mehrere Kinder. In Cherson starben offiziellen Angaben zufolge vier Zivilisten, 17 weitere wurden verletzt.
Ukraine hofft auf Langstreckenraketen und Marschflugkörper aus Deutschland
Auch Botschafter Makeiev hofft im Verteidigungskampf seines Landes gegen Russland auf Langstreckenwaffen aus Deutschland und fordert zugleich mehr Tempo bei der Lieferung. Deutschland habe zwar keine Kampfflugzeuge vom Typ F-16, »aber Langstreckenraketen aus Deutschland würden wir gerne nehmen, auch den Marschflugkörper Taurus, Munition und schweres Gerät zur Entminung von Gelände, in dem sich russische Streitkräfte verbarrikadiert haben«, sagte Makeiev der »Rheinischen Post« und dem »General-Anzeiger«. Er hoffe, dass die Taurus-Lieferung nicht so lange dauere wie die Panzerdebatte in Deutschland.
Schutz für Getreideschiffe?
Nach der einseitigen Kündigung des Getreideabkommens durch Russland fordert Makeiev, ukrainische Getreidetransporte auf der Fahrt über das Schwarze Meer zu schützen. »Wenn die Nato ukrainische Fracht- und Handelsschiffe bei der Fahrt über das Schwarze Meer schützen würde, wäre das ein sehr gutes Zeichen, so wie die Nato und die EU im Mittelmeer oder am Horn von Afrika Schifffahrtsrouten vor Piraterie schützen oder geschützt haben. Kein Schiff fühlt sich auf dem Schwarzen Meer derzeit sicher und frei«, sagte Makeiev der »Rheinischen Post« und dem »General-Anzeiger«. Die Ukraine sei in der Lage, mit ihren Agrarprodukten sehr viele Länder der Erde zu beliefern. Sein Land habe Getreide für 400 Millionen Menschen weltweit.

