Raumfahrt: Trägerrakete »Ariane 5« erfolgreich gestartet – zum letzten Mal
Die europäische Trägerrakete »Ariane 5« ist zum letzten Mal ins All gestartet. Sie startete am Mittwochabend erfolgreich vom Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch-Guyana. Zuvor war der Start zweimal verschoben worden. Die Trägerrakete soll auf ihrer 117. und letzten Mission den deutschen Kommunikationssatelliten »Heinrich Hertz« und einen französischen Militärsatelliten auf ihre Umlaufbahn bringen.
Ursprünglich hatte der Start schon Mitte Juni stattfinden sollen, war aber wegen technischer Probleme verschoben worden. Aufgrund schlechten Wetters wurde der dann für Dienstagabend geplante Start noch einmal um 24 Stunden auf Mittwochabend verschoben.
In den vergangenen Jahren war die Rakete des europäischen Raumfahrtunternehmens Arianespace ein zuverlässiger Raumtransporter. Sie hat neben unzähligen Kommunikationssatelliten unter anderem Teleskope wie »XMM-Newton« (1999), »Herschel« und »Planck« (2009), den riesigen Umweltforschungssatelliten »Envisat« (2002), den Kometenjäger »Rosetta« (2004) und die Planetensonden »BepiColombo« (2018) und »Juice« (2023) erfolgreich auf den Weg gebracht.
Frühe Fehlschläge – und ein Riesenerfolg
Ihre erfolgreichste Mission war wohl der Start des »James Webb«-Weltraumteleskops im Dezember 2021. Diesen absolvierte die Rakete so präzise, dass sich Astronomen womöglich auf viele Jahre zusätzlicher Beobachtungszeit freuen können, weil »Webb« Unmengen seines eigenen Sprits sparen konnte. Statt für Kurskorrekturen nach dem Start können Forschende den Treibstoff jahrelang nutzen, um die optimale Position des Teleskops zu kontrollieren.
Doch bei aller Begeisterung für die Erfolge, ist es wichtig an die frühen Fehlschläge zu erinnern: Am 4. Juni 1996 musste die Rakete kurz nach dem Start gesprengt werden, weil die Navigationssoftware versagte und die »Ariane« vom Kurs abkam. Beim nächsten Einsatz im Jahr darauf wurde die Nutzlast nicht im richtigen Orbit ausgesetzt, sondern zu niedrig.
Die »Ariane 5« wurde nach Startschwierigkeiten regelmäßig überarbeitet, modifiziert und perfektioniert – dabei hat man sich so sehr auf bestehende Technologien konzentriert, dass es schließlich an zukunftsträchtiger Nachfolge fehlte.
Nachfolgerin verspätet sich – Esa in misslicher Lage
Die »Ariane 6« hätte schon vor drei Jahren an den Start gehen sollen. Doch der Erstflug der Rakete, die die europäische Raumfahrt wettbewerbsfähiger machen soll, wurde mehrfach verschoben. Mittlerweile peilt die Europäische Raumfahrtagentur Esa den Start für Ende des Jahres an – und damit mit drei Jahren Verspätung.
Misslich ist die Lage für die Esa, weil es auch bei der Trägerrakete für leichtere Satelliten derzeit hakt. Die frisch eingeweihte Vega C hatte bei ihrem ersten kommerziellen Flug im Dezember einen Fehlstart hingelegt und bleibt bis auf Weiteres am Boden.
»Ab Mitte dieses Jahres haben wir keinen garantierten Zugang Europas zum All mit europäischen Trägerraketen und das ist für uns alle ein riesiges Problem«, hatte Esa-Chef Josef Aschbacher die Lage beschrieben. Wann genau die Esa die Vega C wieder einsetzen will, steht noch nicht fest. Erwartet wird, dass sie noch in diesem Jahr wieder abhebt.

