Spezialeinheiten nehmen mutmaßlichen Hintermann des Angriffs auf Krematorsk fest
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach dem tödlichen russischen Luftangriff auf die ostukrainische Stadt Kramatorsk die Festnahme eines Verdächtigen bekannt gegeben. »Heute haben der ukrainische Inlandsgeheimdienst (SBU) und die Spezialeinheiten der Polizei die Person festgenommen, die diesen Terroranschlag koordiniert hat«, sagte Selenskyj am Mittwoch in seiner täglichen Videobotschaft.
Bei einem russischen Raketenangriff waren am Dienstagabend nach Angaben der ukrainischen Behörden mindestens elf Menschen getötet worden, darunter mehrere Kinder. »Die russischen Raketen haben elf unserer Bürger das Leben gekostet, darunter drei Kinder«, sagte Selenskyj. »Mehr als 60 Menschen« seien verletzt worden.
Schon am Dienstag hatte Selenskyj den Angriff auf ein ziviles Ziel zum Thema seines täglichen Videos gemacht: »Solcher Terror beweist uns und der ganzen Welt immer wieder, dass Russland für all seine Taten nur eines verdient: Niederlage und Tribunal.«
Selenskyj: Möglicherweise weitere Opfer unter den Trümmern
Wie die ukrainische Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilte, zerstörten zwei russische Boden-Luft-Raketen ein Restaurant und beschädigten Wohnungen, Geschäfte, Autos und eine Post sowie mehrere weitere Gebäude.
»Jeder, der den russischen Terroristen hilft, Leben zu zerstören, verdient die Höchststrafe«, warnte der ukrainische Regierungschef, dem zufolge »noch Menschen unter den Trümmern liegen könnten«.
Die für die Raketenangriffe Verantwortlichen seien »Menschen ohne Menschlichkeit«, fügte er hinzu. Solche Aktionen fallen ihm zufolge unter »Hochverrat« und können mit lebenslanger Haft bestraft werden.
Dementi aus Moskau – und Kontra des ukrainischen Gouverneurs
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte in Moskau, wie schon so oft, Russland beschieße keine »zivile Infrastruktur«. »Angriffe werden nur gegen Einrichtungen ausgeführt, die auf die eine oder andere Weise mit militärischer Infrastruktur verbunden sind«, fügte er hinzu. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die russische Armee habe in Kramatorsk einen »temporären Stützpunkt« der 56. Panzergrenadierbrigade der ukrainischen Armee beschossen.
Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP sagte Gouverneur der Region Donezk, Pawlo Kyrylenko, Russland versuche, die Informationen über den Angriff zu »verzerren«. Bei den Opfern handele es sich »hauptsächlich« um Zivilisten. »Sie kamen, um Essen zu bestellen. Am Abend gab es eine große Menschenmenge«, sagte er. Sollten Militärangehörige verletzt worden sein, würde diese Information von der Militärführung bekannt gegeben.
Kramatorsk war vor dem Krieg eine Stadt mit 150.000 Einwohnern und ist die letzte Großstadt unter ukrainischer Kontrolle im Osten des Landes. Sie liegt etwa 30 Kilometer von der Front entfernt. Die Stadt ist ein wichtiger Bahnknotenpunkt und beherbergt militärische Einrichtungen.

