Nachrichten in der Welt


Nachrichten der Welt

»Titan«-Unglück: Kaum noch Hoffnung für vermisste Abenteurer

June 22
18:50 2023

Den fünf Männern in dem vermissten Tauchboot »Titan« geht der Sauerstoff aus – oder er ist sogar schon ausgegangen. Der Vorrat an Bord sollte nach Angaben der Betreiber Oceangate Expeditions für 96 Stunden reichen. Nach Schätzungen der Suchtrupps dürfte sich dieses Zeitfenster nun geschlossen haben.

Die Männer im Alter von 19 bis 77 Jahren könnten sich nur noch auf ihr Glück verlassen, sagte der Meeresforscher Simon Boxall von der Universität Southampton dem Sender Sky News. Der pensionierte britische Konteradmiral Chris Parry sagte, die Überlebenswahrscheinlichkeit der Insassen sei »verschwindend gering«. Und weiter: »Wir müssen uns auf das Schlimmste vorbereiten.«

US-Küstenwache spricht weiter von Rettungsmission

»Es ist immer noch eine aktive Such- und Rettungsmission«, sagte jedoch der Chef der Küstenwache im Nordosten der USA, John Mauger, dem britischen Sender Sky News. Es werde moderne Ausrüstung genutzt, darunter ferngesteuerte Tauchroboter. »Die Bedingungen für Suche und Rettung sind derzeit günstig, wir nutzen das Wetterfenster optimal«, sagte Mauger.

Experten wiesen allerdings darauf hin, dass es sich bei den 96 Stunden um einen ungenauen Wert handele. So könnte auch jetzt noch in der 6,70 Meter langen »Titan« Luft für die Insassen vorhanden sein, falls es ihnen gelungen sei, Sauerstoff zu sparen, etwa indem sie sich wenig bis kaum bewegten. »Wir wissen nicht, wie lange sie in Bezug auf den Sauerstoffgehalt tatsächlich durchhalten werden«, sagte Experte Boxall dem US-Sender NBC News.

»Wirklich keine Möglichkeit, Sauerstoff hineinzubekommen«

Boxall erläuterte bei Sky News auch, dass die »Titan« Dutzende Kilometer weit im Meer geglitten sein könne. »Deshalb ist das Suchgebiet so riesig«, so der Experte. »Die Leute gehen davon aus, dass die Tiefsee sehr ruhig ist.« Dabei gebe es einige der stärksten Tiefseeströmungen der Erde.

Doch selbst wenn das Tauchboot bald gefunden würde, kann es Experten zufolge unter Wasser nicht mit frischem Sauerstoff versorgt werden. »In dieser Tiefe gibt es wirklich keine Möglichkeit, Sauerstoff hineinzubekommen«, sagte der Meeresforscher Tom Dettweiler dem US-Sender CNN. »Es gibt keine Öffnung oder Ähnliches, durch die Sauerstoff eindringen könnte.«

Die einzige Lösung wäre, die »Titan« so schnell wie möglich nach oben zu bringen, die Luke zu öffnen und zu den Menschen zu gelangen, betonte Dettweiler, der selbst 1985 an der Suche und dem Fund des gesunkenen Luxusdampfers »Titanic« beteiligt war. Aber das Tauchboot aus großer Tiefe an die Oberfläche zu bringen, würde vermutlich mehrere Stunden dauern, betonte der Forscher.

Ohne Sauerstoff würde den Besatzungsmitgliedern ein langsamer Tod bevorstehen, sagte der Lungenfacharzt Rainer Schädlich. »Der Prozess dauert lange, da sich der Sauerstoff langsam aufbraucht und zusätzlich CO₂ durch Atmung entsteht.«

Üblicherweise enthält Luft etwa 21 Volumenprozent Sauerstoff (O₂). Steigt der Anteil an Kohlendioxid, sinkt der von O₂. »Sinkt der Sauerstoffgehalt unter 15 Volumenprozent, wird die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit zunehmend vermindert«, sagte der Facharzt für Innere Medizin, Lungen- und Bronchialheilkunde, Allergologie und Umweltmedizin in Straelen.

Berichte über schlechte Sicherheitsvorkehrungen

An Bord der »Titan«, die seit Sonntagvormittag (Ortszeit) vermisst wird, befindet sich der Forscher Paul-Henri Nargeolet (77). Der als »Monsieur Titanic« bekannte Franzose gilt als einer der führenden Experten für das Wrack des Luxusliners. Weitere Insassen sind der britische Abenteurer Hamish Harding (58), der mehrere Guinness-Weltrekorde hält, sowie der britisch-pakistanische Unternehmensberater Shahzada Dawood (48) und dessen 19-jähriger Sohn Suleman. Der fünfte Vermisste ist der Chef der Betreiberfirma Oceangate, Stockton Rush (61), der das Boot steuerte.

Oceangate bietet zahlungskräftigen Kunden eine abenteuerliche Reise – die Kosten für die insgesamt achttägige Expedition liegen bei 250.000 US-Dollar (etwa 229.000 Euro) pro Person. Die Tauchfahrt zur Titanic selbst dauert gewöhnlich aber nur einige Stunden.

Angesichts von Berichten über schlechte Sicherheitsvorkehrungen für das vermisste Tauchboot »Titan« erwarten Experten Konsequenzen. »Es wird sicherlich eine Untersuchung nach dieser Katastrophe geben, und deutlich striktere Regeln und Vorschriften werden eingeführt werden«, sagte der Chef der auf »Titanic«-Ausstellungsstücke spezialisierten Firma White Star Memories, David Scott-Beddard, zu CNN.

Neueste Beiträge

8:17 Krankenkassen widersprechen: Merz schiebt hohen Krankenstand auf telefonische Krankschreibung

0 comment Read Full Article