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Minneapolis: Der Fall George Floyd – die aktuellen Entwicklungen in den USA und international

June 01
06:34 2020
Ausschreitungen in Washington unweit des Weißen Hauses Icon: vergrößern

Ausschreitungen in Washington unweit des Weißen Hauses

Alex Brandon/ AP

Heftige Ausschreitungen in New York und Washington

04.50 Uhr In mehreren großen US-Städten ist es zu heftigen Ausschreitungen gekommen. In Washington, unweit des Weißen Hauses, standen Gebäude und Autos in Flammen. Auf CNN war zu sehen, wie Feuerwerkskörper in Richtung der Polizisten flogen. Tränengas wurde eingesetzt. Ähnlich angespannt war die Lage in New York. Dort wurde – offenbar schon am Samstag – Chiara de Blasio, Tochter des Bürgermeisters Bill de Blasio, festgenommen. Das berichtet die "New York Post". Demnach wurde der 25-Jährigen vorgeworfen, den Verkehr am Broadway im Stadtteil Manhatten blockiert zu haben.

In Atlanta, Los Angeles, Philadelphia, Denver, Cincinnati, Portland, Oregon, Chicago, Seattle, Salt Lake City, Cleveland und Dallas wurden Polizeiautos angegriffen und in Brand gesetzt, Fensterscheiben eingeschlagen und Geschäfte geplündert. Etwa 170 Geschäfte seien allein in Minneapolis ausgeraubt worden, sagte der Bürgermeister Jacob Frey dem Sender CNN.

Ausgangssperre auch in Washington

03.25 Uhr In der US-Hauptstadt Washington ist angesichts der anhaltenden Proteste eine Ausgangssperre für die Nacht zum Montag (Ortszeit) verhängt worden. Die Ausgangssperre gilt für den gesamten Hauptstadtbezirk im Zeitraum zwischen 23 und 06 Uhr (Ortszeit), wie Bürgermeisterin Muriel Bowser über den Kurzbotschaftendienst Twitter mitteilte.

Bowser kündigte außerdem an, dass auf ihre Anordnung hin die Nationalgarde in die Stadt entsandt werde, um die Polizei zu verstärken. Am Sonntag hatten sich erneut Demonstranten nahe des Weißen Hauses versammelt. Bereits am Vortag hatten Demonstranten stundenlang in Nähe des Amtssitzes von Präsident Donald Trump ihrer Empörung über exzessive Polizeigewalt gegen Afroamerikaner Luft gemacht.

Trump soll sich in Bunker zurückgezogen haben

02.25 Uhr Die Wut vieler Bürger in den USA richtet sich vor allem gegen Donald Trump. Zahlreiche Menschen versammelten sich auch am vergangenen Freitag vor dem Weißen Haus in Washington. Der Präsident und seine Mitarbeiter nahmen das Geschehen offenbar sehr ernst. Wie die "New York Times" nun berichtet, soll sich der 73-Jährige zwischenzeitlich sogar in den Bunker des Weißen Hauses zurückgezogen haben. Die Mitarbeiter des Secre Service waren offenbar so besorgt, dass sie ihn in den Bunker brachten, der in der Vergangenheit bei Terroranschlägen benutzt wurde. Ob Ehefrau Melania dabei war, ist unklar.

Auch am Sonntag kam es vor dem Weißen Haus zu Protesten. Polizisten riegelten die Regierungszentrale von Trump ab. Die Demonstranten zogen daraufhin weiter, wurden aber bereits nach etwa 100 Metern von einer Polizeisperre aufgehalten, wo es vereinzelt zu Gerangel kam. Sicherheitskräfte wurden mit Plastikflaschen beworfen, Demonstranten nahmen einem Beamten seinen Schlagstock ab. Die Protestler skandierten "Kein Frieden ohne Gerechtigkeit".

Am Samstag hatte Trump auf Twitter gedroht, hätten Demonstranten die Zäune der Regierungszentrale durchbrochen, wären sie mit den "bösartigsten Hunden und den bedrohlichsten Waffen" konfrontiert und schwer verletzt worden.

Tanklaster rast in Minneapolis in Menschenmenge

02.05 Uhr In Minneapolis droht die Lage weiter zu eskalieren. Bei Demonstrationen auf einem Highway rannten Hunderte Menschen panisch davon, als sich ihnen das Fahrzeug mit erhöhter Geschwindigkeit näherte. Plötzlich kam es zum Stehen. Laut Nachrichtenagentur Reuters stieg der Fahrer des Lasters aus und wurde von Demonstranten attackiert. Bei der Aktion wurde offenbar niemand verletzt. Kameras hielten das Geschehen fest.

Heftige Ausschreitungen in Santa Monica

01.35 Uhr In Santa Monica ist es am Nachmittag zu Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und Demonstranten gekommen. Live-Aufnahmen von NBCLA zeigten, wie sich beide Parteien gegenüberstanden und Gegenstände aufeinander warfen oder schossen. Kameras zeichneten auf, wie Geschäfte gewaltsam geöffnet und anschließend geplündert wurden. In der kalifornischen Küstenstadt gilt ab 16 Uhr eine Ausgangssperre. Gleiches gilt für die nahe gelegende Metropole Los Angeles. Mehr als zehn Millionen Menschen sind von den Ausgangssperren betroffen.

Arizonas Gouverneur verhängt einwöchige Ausgangssperre

01.20 Uhr Arizonas Gouverneur Doug Ducey hat angesichts der heftigen Ausschreitungen in seinem Bundesstaat eine einwöchige Ausgangssperre verkündet. Auf Twitter schrieb der Republikaner, dass diese ab 20 Uhr in Kraft trete. "Dies gibt den Behörden ein zusätzliches Instrument, um die Gesetzlosigkeit zu verhindern, die wir hier und in anderen Städten des Landes gesehen haben", schrieb Ducey. Die Polizei werde in der Lage sein, Personen zu verhaften, die Unruhe stiften und Schäden verursachen wollen.

Trump ruft zu härterem Durchgreifen auf und attackiert Biden

01.10 Uhr Nach Ausschreitungen in zahlreichen amerikanischen Städten hat US-Präsident Donald Trump demokratische Bürgermeister und Gouverneure zu einem schärferen Durchgreifen aufgerufen. "Legen Sie eine härtere Gangart ein", schrieb Trump auf Twitter. "Diese Menschen sind Anarchisten. Rufen Sie jetzt unsere Nationalgarde. Die Welt schaut zu und lacht Sie und den Schläfrigen Joe aus." Der Republikaner Trump verunglimpft seinen voraussichtlichen Herausforderer bei der Wahl im November, den demokratischen Ex-Vizepräsidenten Joe Biden, als "Schläfrigen Joe".

Trump wirft den Demokraten immer wieder vor, nicht hart genug gegen Kriminalität vorzugehen. Für die jüngsten Ausschreitungen macht Trump Linksradikale und die Antifa verantwortlich. Belege dafür hat er nicht präsentiert.

Michael Jordan "traurig und wütend"

23.50 Uhr Der ehemalige NBA-Star Michael Jordan hat sich erstmals zum Tod von George Floyd geäußert. Auf der Seite seines Basketball-Teams Charlotte Hornets schrieb Jordan, dass er "zutiefst traurig, verletzt und einfach wütend" sei. Der 57-Jährige könne den Zorn und die Frustration vieler Menschen in den USA nachvollziehen. "Ich stehe an der Seite jener, die den tief verwurzelten Rassismus und die Gewalt gegen farbige Menschen in unserem Land anprangern", schrieb Jordan. Die Stimme des Volkes solle Druck auf die Regierung ausüben, um Gesetzte zu ändern. Im dritten und letzten Absatz spricht Jordan George Floyd und seiner Familie sein Mitgefühl aus.

Mitarbeiter des Weißen Hauses sollen zu Hause bleiben

23.40 Uhr Auch vor dem Weißen Haus in Washington versammelten sich in den vergangenen Tagen und Nächten immer wieder Demonstranten. Um die Sicherheit der Mitarbeiter zu garantieren, sollen viele von ihnen nun zu Hause bleiben. Laut der CNN-Reporterin Kaitlan Collins wurden die Angestellten in einer E-Mail darüber informiert. Das systemrelevante Personal solle sich an einem bestimmten Eingang zur Arbeit melden.

Amnesty fordert von Polizei Ende "unnötiger und übertriebener Gewalt"

23 Uhr Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sieht bei den landesweiten Krawallen in den USA Versäumnisse bei der Polizei. "Die US-Polizei im ganzen Land kommt ihren Verpflichtung nicht nach, das Recht auf friedlichen Protest zu respektieren und zu schützen", schrieb die Organisation auf Twitter. Dies verschärfe die Spannungen weiter und gefährde das Leben der Demonstranten. "Jegliche unnötige und übertriebene Gewalt muss sofort aufhören."

Zudem forderte Amnesty die US-Behörden auf allen Verwaltungenebenen auf, auf "die Wurzel des Protests" einzugehen und Maßnahmen zu ergreifen um "die rechtswidrige Tötung von Schwarzen und anderen durch die Polizei" zu stoppen. Dazu gehöre auch die Strafverfolgung von Polizisten und der Erlass entsprechender Gesetze um Polizeigewalt zu verhindern.

Supermarktkette Target schließt mehr als hundert Filialen

21 Uhr Aus Angst vor weiteren Ausschreitungen schließt die US-Supermarktkette Target 105 Filialen in zehn US-Bundesstaaten. Das berichtet die Nachrichtenagentur AP. Demnach sind 46 Läden in Kalifornien und 33 in Minnesota betroffen. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Minneapolis. Auch in Colorado, Pennsylvania, Illinois, New York, Georgia, Oregon, Michigan und Texas gibt es Schließungen.

Bei den schweren Krawallen in Minneapolis war zuvor laut US-Medien eine "Target"-Filiale geplündert worden. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters wurden in der Nachbarstadt St. Paul bislang rund 170 Läden geplündert und zum Teil in Brand gesetzt.

Kamerateam von Reuters mit Gummikugeln beschossen

19.50 Uhr In Minneapolis ist er erneut zu einem Angriff auf Journalisten gekommen. Nach eigenen Angaben wurde ein Kamerateam der Nachrichtenagentur Reuters in der Nacht zum Sonntag von Gummikugeln getroffen. Der Vorfall ereignete sich demnach, als die Polizei einen Protest auflösen wollte und dabei auch Tränengas einsetzte.

Julio-Cesar Chavez, einer der beteiligten Kameramänner, filmte laut Reuters, wie ein Polizist seine Waffe auf ihn richtete. Wenige Minuten später wurde Chavez getroffen, als er an einer Tankstelle Schutz suchte. Chavez' Kollege Rodney Seward sei dabei am Kopf getroffen worden. Bei einem anderen Vorfall hatte ein Demonstrant die Kamera des Reuters-Fotografen mit einer Brechstange zerstört.

Nach Angaben der Agentur sind am Samstag mindestens 15 weitere Vertreter von Nachrichtenmedien verletzt worden.

Trump will Antifa als "terroristische Organisation" einstufen

18.23 Uhr US-Präsident Donald Trump hat auf Twitter angekündigt, die Antifa als "terroristische Organisation" einzustufen. Welche juristischen Folgen sich daraus ergeben, war zunächst nicht klar. Die Antifa versteht sich selbst als Bewegung, nicht als formale Organisation. Trump hatte zuvor erklärt, bei den teils gewaltsamen Protesten gegen Polizeigewalt handle es sich um ein linkes Komplott. "Die Gewalt und der Vandalismus werden von der Antifa und anderen gewaltsamen Gruppen des linken Flügels angeführt", so Trump. Belege für seine Behauptung legte der Präsident nicht vor.

"Deutsche Welle" dokumentiert Angriff auf Reporter

17.45 Uhr Die Deutsche Welle hat auf Twitter Aufnahmen veröffentlicht, wonach eines ihrer Fernsehteams bei der Berichterstattung in der US-Stadt Minneapolis von der Polizei mit Projektilen beschossen wurde. Außerdem seien die Journalisten des deutschen Auslandssenders mit der Festnahme bedroht worden. Die Bilder zeigen, dass sich die Journalisten klar als Pressevertreter ausgewiesen hatten und auch entsprechende Westen trugen. In den Sozialen Medien hatte es zuvor bereits mehrfach Berichte über Angriffe auf Journalisten durch Sicherheitskräfte gegeben.

Polizei von Indianapolis untersucht mehrere Schießereien

17.48 Uhr In Indianapolis sind zwei Menschen bei Schießereien in der Stadt gestorben. An den Vorfällen aus der Nacht von Samstag auf Sonntag sollen laut Polizei keine Beamten beteiligt gewesen sein. Die Hintergründe seien noch unklar. "Wir haben zu diesem Zeitpunkt keine Möglichkeit, sie mit irgendeiner Art von Protest oder irgendetwas anderem in Verbindung zu bringen'', sagte ein Polizeisprecher.

Demonstrationen auch in London

17.34 Uhr In London sind zahlreiche Menschen wegen des gewaltsamen Tods des Afroamerikaners George Floyd auf die Straße gegangen. Ein Protestzug mit mehr als Tausend Menschen zog an der US-Botschaft in der britischen Hauptstadt vorbei, wie die Nachrichtenagentur PA berichtete.

Auch auf dem Trafalgar Square versammelten sich laut BBC Hunderte Demonstranten. Sie hielten Schilder in die Höhe mit Slogans wie "Black lives matter" (Schwarze Leben zählen) und "Justice for George Floyd" (Gerechtigkeit für George Floyd).

Gladbachs Thuram bejubelt Treffer mit Kniefall

17.11 Uhr Fußball-Profi Marcus Thuram hat seinen ersten Treffer für Borussia Mönchengladbach in der Partie gegen den 1. FC Union Berlin mit einem Kniefall bejubelt. Der 22 Jahre alte Franzose kniete nach seinem Tor zum 2:0 im Strafraum nieder und senkte den Kopf. Damit erinnerte er an eine weltweit bekannt gewordene Geste des American-Football-Quarterbacks Colin Kaepernick. Dieser hatte 2016 eine Protestwelle gegen Unterdrückung von Schwarzen und gegen Polizeigewalt in den USA gestartet. Der heute 32-Jährige war damals während der Nationalhymne auf ein Knie gegangen.

Leiche nahe brennendem Auto in Minneapolis entdeckt

16.45 Uhr In der Nähe eines brennenden Wagens in Minneapolis hat die Poizei einen Toten entdeckt. Die Leiche weise deutliche Anzeichen von Verletzungen auf, sagte ein Polizeisprecher. Sie sei am Sonntagmorgen gegen 04.00 Uhr (Ortszeit) entdeckt worden. Die Mordkommission habe die Ermittlungen übernommen. Zur Identität des Toten machte die Polizei keine Angaben. Es ist derzeit nicht klar, ob der Todesfall mit den Protesten zusammenhängt.

Icon: Der Spiegel

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