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Boris Palmer: Die Urgrünen Tübingens halten nach Parteiaustritt zu ihm

May 06
20:52 2023

Die älteste grüne Kraft am Neckar, die Tübinger Alternative Liste, stärkt dem Oberbürgermeister auch nach seinem Parteiaustritt den Rücken. Palmer ist dort Langzeitmitglied – und will es auch bleiben, wie er dem SPIEGEL bestätigt.

Die Grünen und Boris Palmer, das war einmal. Seit seinem Parteiaustritt am 1. Mai ist die Zahl derer, die darüber jubeln, als hätten sie einen Sieg errungen, groß. Überfällig, sagen sie, endlich kein Zoff mehr mit dem Querulanten und Rechtspopulisten. Doch längst nicht alle sehen das so.

Die grünste Kraft in Tübingen, quasi das kommunale Start-up in Sachen Ökologie, hält weiterhin zu Boris Palmer. »Wir stehen bei aller Kritik zu unserem Oberbürgermeister und seiner Klimapolitik«, sagt Bruno Gebhart vom Vorstand der Alternativen Liste (AL). Sicherlich sei es eine richtige Entscheidung von Palmer, sich psychologische Hilfe zu holen und eine einmonatige Auszeit zu nehmen. Denn immer wieder habe der Oberbürgermeister in kontroversen Situationen die Kontrolle über sich verloren.

Die kleine Wählervereinigung wurde Ende der Siebzigerjahre gegründet, als es in der Universitätsstadt noch keine Grünen gab. »Wir sind die Keimzelle der Ökobewegung und haben uns damals vor einer Kommunalwahl zusammengetan«, sagt der 75-jährige Stadtrat. Gemeinsam mit den Grünen bildet die Alternative Liste im Gemeinderat eine Fraktion.

Den Urgrünen am Neckar gehört auch Palmer an. Seit rund zwei Jahrzehnten ist er Vereinsmitglied bei der Alternativen Liste. Er habe nicht vor auszutreten, bestätigt er gegenüber dem SPIEGEL. Warum auch?

Kein Verständnis für die Judenstern-Äußerung

Die Wählervereinigung hat ihn – im Gegensatz zu den Tübinger Grünen – bei der auf Anhieb erfolgreichen Wiederwahl zum Oberbürgermeister im vergangenen Herbst unterstützt. Und auch jetzt zeigt sich die Liste loyal gegenüber dem wohl bekanntesten Kommunalpolitiker Deutschlands. Auf den Eklat um die Judenstern-Äußerung in Frankfurt vor der Migrationskonferenz, auf seine fremdenfeindlichen Entgleisungen geht die Wählervereinigung in einer Pressemitteilung nur mit wenigen Worten ein. Es ist ein Bedauern darüber, dass Palmer »sich zu Reaktionen hat provozieren lassen, die einer guten Gesprächskultur völlig widersprechen«.

Das Lob überwiegt. Der Oberbürgermeister habe »in den letzten 20 Jahren im Land und in der Stadt maßgeblich grüne Ideen und Projekte angeregt und umgesetzt«, heißt es dort. Man wolle auch »weiterhin konstruktiv im Interesse der Stadt mit ihm zusammenarbeiten«.

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