Freizeit in Deutschland: Wir wollen Spaß – trotz Corona
Icon: vergrößernGäste im Kerker-Restaurant Bollesje in Rüdesheim (l.), Tropical Islands in Brandenburg (r.)
Foto:
Jeannette Petri / DER SPIEGEL; Lisa Wassmann / DER SPIEGEL
Gut, ein Junge hat mal angefangen zu würgen, als er die Torte vor sich sah; er stand mehr auf Herzhaftes. Doch das sei eine Ausnahme gewesen, versichert die Nürnberger Fotografin mit dem Künstlernamen Antje. Die meisten Kinder, die zu ihr ins Studio kämen, wühlten mit Wollust in Erdbeersahne oder Vanillecreme. Manche mutierten während des Fototermins zu einem wahren "Torten-Terminator". Weil sie endlich dürfen, was sonst verboten ist: mit Essen spielen.
Dekadenz lässt sich früh erlernen. Der aus den USA importierte Trend des Cake-Smash-Shootings ist da vermutlich förderlich: Ein Kleinkind wird dabei fotografiert, wie es eine Torte zerstört. Die Bilder werden an seinem ersten Geburtstag der Verwandtschaft präsentiert, gerahmt oder aufgereiht auf einer Wäscheleine.
Antje, 42, hat daraus ein Geschäft gemacht. Sie ist darauf spezialisiert, Babybäuche und Neugeborene abzulichten, in letzter Zeit zunehmend auch Cake Smash. Preis: ab 250 Euro aufwärts. Die Torte werde danach noch gegessen, beteuert sie. Ihre Fotoagentur heißt "Du bist ein Wunder". So sehen die meisten Eltern ihren Nachwuchs, so behandeln sie ihn.

