Iran: Eltern protestieren gegen Schülerinnen-Vergiftungen
Hunderte Schulmädchen in Iran sollen in den vergangenen Wochen vergiftet worden sein. Das Regime spricht von einer »Verschwörung von Feinden«. Viele Eltern geben sich damit nicht zufrieden – und gehen auf die Straße.
In Iran mehren sich die Berichte über mutmaßliche Giftanschläge auf Schülerinnen. Zahlreiche Eltern sind nun auf die Straße gegangen, um ihren Kindern eine Stimme zu geben. Zu Protesten kam es in der Hauptstadt Teheran und anderen Städten.
In den vergangenen Wochen sollen Medienberichten zufolge Hunderte Schulmädchen über Symptome wie Unwohlsein, Übelkeit oder Herzklopfen geklagt haben und zum Teil in Kliniken eingeliefert worden sein. Besonders betroffen war demnach die Stadt Ghom.
Dem Gesundheitsministerium zufolge handelte es sich bei den Fällen »leichte Vergiftungen«. Einige Politiker haben dafür islamistische Extremisten verantwortlich gemacht, die gegen die Bildung von Mädchen seien. Am Freitag hatte Präsident Ebrahim Raisi das Innen- und das Geheimdienstministerium angewiesen, den Vergiftungsfällen nachzugehen. Er sprach von einer »Verschwörung des Feindes, um Angst und Verzweiflung in der Bevölkerung zu schüren«.
Die iranischen Machthaber sehen sich seit Monaten mit Protesten konfrontiert, die nach dem Tod der 22-jährigen Jina Mahsa Amini begonnen hatten. Amini war Mitte September in Polizeigewahrsam gestorben. Zuvor war sie von der Sittenpolizei festgenommen worden, weil sie ihr Kopftuch falsch getragen haben soll. Amnesty International zufolge wurden seitdem bei Protesten zahlreiche Menschen getötet. An den Kundgebungen hatten auch Schülerinnen teilgenommen. Die Demonstrationen haben sich zur größten Herausforderung für die Regierung seit Bestehen der Islamischen Republik entwickelt.
Bereits am Freitag hatten sich Bundesaußenministerin Annalena Baerbock und die US-Regierung besorgt über Berichte über vergiftete Schülerinnen geäußert. Die Grünenpolitikerin forderte, »alle Fälle« in der »schockierenden« Angelegenheit müssten aufgeklärt werden. Teheran reagierte mit Kritik. Baerbocks Forderung sei eine Einmischung in die Angelegenheiten des Iran, hieß es.

