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Coronavirus-Tests: Panne in Bayern – der Überblick

August 14
00:53 2020
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Mitarbeiter vom Bayerischen Roten Kreuz an der Rastanlage Hochfelln-Nord

Foto: Sven Hoppe/ dpa

Ausgerechnet in Bayern, das sich bei der Pandemiebekämpfung gern als besonders gut organisiert gezeigt hat, gab es eine massive Panne bei der Ermittlung von Coronavirus-Testergebnissen. "Hoch ärgerlich" nannte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) den Vorfall bei einer Pressekonferenz und kündigte an, die Fehler aufzuarbeiten.

Strukturelle Änderungen soll es geben, Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) bleibt im Amt.

Wer ist von der Panne an der bayerischen Landesgrenze betroffen?

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass mehr als 44.000 Reiserückkehrer nach ihrem Coronavirus-Test in Bayern noch keine Rückmeldung erhalten hatten. Darunter waren auch zahlreiche Menschen, die positiv auf das Virus getestet worden waren. Manche warteten bereits seit zwei Wochen auf das Ergebnis.

Inzwischen habe man 908 Fälle identifizieren und zuordnen können, hieß es am Donnerstag auf der Pressekonferenz. Diese würden seit dem Morgen kontaktiert. Ob bereits alle erreicht wurden, könne sie nicht sagen, teilte Huml mit. Bei mehr als 100 weiteren Ergebnissen sei noch unklar, ob es sich um bereits kontaktierte Personen handele. Wann die anderen mehr als 40.000 Personen informiert werden, wurde nicht bekannt.

Woher kommen die Menschen?

Wie viele der 908 positiv Getesteten aus Bayern und wie viele aus dem übrigen Bundesgebiet kommen, ist laut Söder und Huml noch unklar. Die Gesundheitsministerin hatte am Mittwoch lediglich auf eine Stichprobe aus den vergangenen Wochen verwiesen. In dieser stammten 40 Prozent der Tests von Menschen aus Bayern. Viele Personen hätten bei den Tests nur Handynummern angegeben, sagte Huml. Bei der Information über das Ergebnis solle abgefragt werden, wo die Betroffenen wohnen.

Was bedeutet das für Betroffene?

Für Rückkehrer aus Risikogebieten gilt eine Quarantänepflicht bis das Testergebnis vorliegt. Für Urlauber, die aus anderen Ländern – darunter fast alle EU-Länder – zurückkehren, gibt es eine solche Pflicht aber nicht. Diese Männer, Frauen und Kinder könnten also, wenn sie bis zu ihrem Testergebnis nicht freiwillig zu Hause bleiben, das Virus weiter verbreiten. Wer bis zum Wochenende kein Ergebnis bekomme, solle einen zweiten Test machen, sagte Söder.

Warum kam es zu der Verzögerung?

Vor allem Probleme bei der händischen Übertragung der Daten und die unerwartet hohe Nutzung der Teststationen sind laut Andreas Zapf, früherer Präsident des bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, die Gründe für die Verzögerung. Er sprach von einer "Panne". Manche Formulare von Getesteten seien unvollständig oder schwer leserlich ausgefüllt worden, zudem müssten sie mit den Codes von Rachenabstrichen abgeglichen werden.

Die Teststationen waren unter Zeitdruck eingerichtet worden. Zunächst war dies nur mit Unterstützung vieler Ehrenamtlicher möglich. Mittlerweile werden die Stationen an private Dienstleister übergeben, wie dies bei den Tests an Flughäfen schon Standard war.

Wo waren die Übertragungsprobleme am stärksten?

Laut Gesundheitsministerin Huml traten die Probleme vor allem an Raststätten und Bahnhöfen auf. 60.000 der insgesamt rund 85.000 Tests wurden demnach dort vorgenommen.

Wie reagieren ehrenamtliche Tester auf die Panne?

Hilfsorganisationen wie das Bayerische Rote Kreuz (BRK) hatten zu Beginn die Teststationen an den Autobahnraststätten betrieben. Nach der Panne kritisiert das BRK die Behörden. Die bayerischen Hilfsorganisationen seien vom Freistaat beauftragt worden, innerhalb eines Tages fünf Teststationen zu errichten. Dabei hätten sie sich an den Vorgaben des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und der Gesundheitsämter orientiert.

"Da das LGL sich nicht in der Lage gesehen hat, in dieser kurzen Zeit eine entsprechende Software zur Verfügung zu stellen, mussten die Reisenden händisch mit Formularen erfasst werden", teilte das BRK mit. Zugleich wies es "Andeutungen zurück, die darauf schließen lassen, dass die Hilfsorganisationen eine (Teil-)Schuld an dieser Problematik haben". Es sei bedauerlich, dass der "schweißtreibende Einsatz der Ehrenamtlichen" in ein negatives Licht gerückt werde, sagte ein Sprecher.

Wo werden Reisende in Bayern getestet?

Seit dem 25. Juli können sich Reisende bei der Ankunft an den Flughäfen München und Nürnberg testen lassen, seit Anfang August in Memmingen. Zunächst war das Angebot freiwillig. Für Urlauber aus Risikogebieten greift seit Samstag bundesweit eine Testpflicht.

Darüber hinaus hatte die bayerische Staatsregierung seit Ende Juli Teststationen an den Hauptbahnhöfen München und Nürnberg sowie an den Autobahnraststätten Hochfelln-Nord (A8), Inntal-Ost (A93) und Donautal-Ost (A3) einrichten lassen.

Welche Konsequenzen werden aus der Panne gezogen?

Nach Bekanntwerden der Panne sagte Ministerpräsident Söder einen für Donnerstag und Freitag geplanten Besuch an der Nordsee ab. Söder nannte den "Fehler" bei den Testzentren "sehr, sehr ärgerlich" und kündigte an, alle Strukturen"umgehend zu überprüfen".

Am Donnerstagnachmittag kündigte Söder organisatorische Änderungen in der Landesregierung an. Der bisherige Präsident des bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Andreas Zapf, wechselt ins Gesundheitsministerium. Des Weiteren wird die Kapazität der Mitarbeiter im Zusammenhang mit den Corona-Tests um 100 Personen aufgestockt.

Die bayerische SPD hatte verlangt, dass Gesundheitsministerin Huml nach der Panne zurücktritt. "Frau Huml muss zurücktreten, und Herr Söder muss sich erklären", sagte Generalsekretär Uli Grötsch im Bayerischen Rundfunk. "Er muss Buße tun, weil er als Ministerpräsident seiner Verantwortung schlichtweg nicht gerecht geworden ist und mit der Gesundheit der Menschen in Bayern gespielt hat." Söder sagte, er habe den von Huml angebotenen Rücktritt abgelehnt. "Ich habe Vertrauen zu ihr", sagte er. Die Fehler müssten aber abgestellt werden und dürften sich nicht wiederholen.

Icon: Der Spiegel

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