Niedersachsen-Wahl: Wählerwanderung – woher die vielen Stimmen für Grüne und AfD kommen
Die CDU hat in Niedersachsen ein historisch schlechtes Ergebnis erzielt. Das lag auch an einem Mobilisierungsproblem. Von den Verlusten der FDP profitierte nicht nur die AfD, die ihr Ergebnis nahezu verdoppelte.
Stephan Weil und seine SPD haben die Landtagswahl in Niedersachsen mit klarem Vorsprung vor der CDU gewonnen. Doch beide Parteien verlieren im Vergleich zu 2017 Stimmen, die Christdemokraten in stärkerem Maß als die Sozialdemokraten. Auch die Stimmenanteile von FDP und Linken schrumpfen.
Feiern können dagegen die Anhängerinnen und Anhänger von Grünen und AfD. Beide Parteien kommen dank deutlicher Stimmengewinne auf ein zweistelliges Ergebnis. Auch wenn die Grünen sich mehr erhofften, werden sie aller Voraussicht nach künftig mitregieren: Sowohl Weil als auch die Grünenspitze in Niedersachsen haben sich für eine Koalition ausgesprochen.
Eine vorläufige Analyse zur Wählerwanderung von Infratest dimap zeigt, wie sich die Stimmen seit der Wahl 2017 verschoben haben. Die Werte sind eine grobe Schätzung, geben aber erste Einblicke, wie das Ergebnis zustande kam.
Nur zwei Parteien gewannen im Vergleich zu 2017 Stimmen hinzu: Die Grünen überzeugten über 100.000 Wählerinnen und Wähler, die vor fünf Jahren ihr Kreuz bei SPD, CDU oder FDP gemacht hatten.
Die zweite Gewinnerin – die AfD – konnte diesen drei Parteien ähnlich viele Stimmen abjagen. Bemerkenswert ist, dass über ein Drittel davon von der FDP stammt.
Diese rund 40.000 Stimmen sind zugleich der größte Einzelverlust für die Liberalen. Insgesamt verliert die FDP etwa 110.000 Wähler.
Ähnlich erging es der CDU um Spitzenkandidat Bernd Althusmann.Die Christdemokraten gewannen zwar einige Stimmen von der FDP, aber am Ende steht ein deutlicher negativer Saldo. Dazu trug auch bei, dass die CDU ihre Wählerinnen und Wähler nicht halten konnte: Über ein Drittel derer, die den Christdemokraten den Rücken kehrten, wählten keine andere Partei, sondern sind nunmehr Nichtwähler.
Das schlechte Abschneiden der CDU machte einen Wahlsieg der SPD erst möglich. Die Sozialdemokraten verloren zwar auch im großen Stil Stimmen – rund 120.000. Immerhin schaffte die SPD es, einige frühere CDU- und FDP-Wählerinnen und -Wähler für sich zu gewinnen.
Für die Linke veröffentlichte Infratest dimap bisher keine Zahlen zur Wählerwanderung.
SPD und CDU bei Senioren besonders stark
Die Analyse nach Altersgruppen zeigt, dass die SPD vor allem bei älteren Menschen erfolgreich war. In der Altersgruppe der Wähler über 70 Jahre holte sie fast die Hälfte der Stimmen. Je jünger die Wähler, desto schwächer schnitten die Sozialdemokraten ab. Unter den jüngsten Wählerinnen und Wählern von 18 bis 24 Jahren erhielten sie nur 19 Prozent. Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Blick auf die CDU, die gar nur 16 Prozent in der jüngsten Wählergruppe erreichte.
Gerade bei den Jüngsten konnte die FDP gut punkten. Aber auch die Grünen sind für die junge Wählerschaft interessant. Sie konnten auch bei den Wählern zwischen 25 und 44 Jahren noch viele Stimmen sammeln.
Die AfD-Unterstützer weisen wiederum eine ganz eigene Altersstruktur auf. Am stärksten ist die Partei in den Gruppen zwischen 35 und 44 Jahren.
Grüne bei Wählern mit hoher Bildung besonders stark
In der Gruppe der Wählerinnen und Wähler mit hohem Bildungsgrad liegt die SPD an erster Stelle – allerdings nur knapp vor CDU und Grünen. Doch Sozial- und Christdemokraten sind bei Personen mit einfacher Bildung deutlich stärker. Genauso ist es auch bei der AfD.
Das Ergebnis der Grünen folgt einem bekannten Muster: Einem Stimmenanteil von 24 Prozent bei den höher Gebildeten stehen lediglich fünf Prozent bei Menschen mit einfacher Bildung gegenüber. Auch die FDP erzielt bei Personen mit höherem Bildungsgrad ein besseres Ergebnis als bei einfach Gebildeten.
Das Wahlverhalten von Männern und Frauen unterschied sich von Partei zu Partei. Den größten Unterschied verzeichnet aber die AfD. Sie ist bei Männern deutlich beliebter.
Anmerkung: Die Infratest-Daten wurden im Lauf des Abends aktualisiert. Wir haben die Änderungen übernommen und den Text entsprechend angepasst.

