Boris Johnson: Ein Jahr Premier von Großbritannien
Icon: vergrößernBoris Johnsons erste Audienz als Premierminister bei Queen Elizabeth II. am 24. Juli 2019
Foto: VICTORIA JONES/ AFP
0,2 Prozent der britischen Bevölkerung ebneten ihm den Weg: Vor gut einem Jahr machten 92.000 Tory-Mitglieder Boris Johnson zum Vorsitzenden ihrer konservativen Partei – und damit zum neuen britischen Premierminister. Ohne Parlamentswahl löste Johnson Theresa May am 24. Juli an der Spitze der Regierung ab. Er stand sogleich vor jener Mammutaufgabe, an der seine Vorgängerin gescheitert war: "Get Brexit done", den EU-Austritt des Landes endlich über die Bühne bringen.
Er werde Großbritannien am 31. Oktober 2019 aus der EU führen, hatte Johnson verkündet, "komme, was wolle". Er wolle lieber "tot im Graben" liegen, als eine Verlängerung der Austrittsfrist zu beantragen. Doch er konnte seinen mit der EU nachverhandelten Brexit-Deal nicht rechtzeitig durch das Parlament bringen. So blieb ihm am Ende nichts anderes übrig, als zähneknirschend einen Verlängerungsantrag nach Brüssel zu schicken. Sein wichtigstes Versprechen hatte er gebrochen.
Büßen musste er dafür nicht. Eine von ihm geforderte und schließlich vom Unterhaus abgesegnete Neuwahl gewannen die Tories im Dezember deutlich. Johnsons Konservative stürzten die Labourpartei mit ihrem damaligen Vorsitzenden Jeremy Corbyn an der Spitze in eine tiefe Krise. 1317 Tage nach dem Brexit-Referendum verließ das Vereinigte Königreich Ende Januar die EU. Mit dem Wahlsieg und dem Brexit im Rücken schien Johnson unverwundbar.
Dann kam Corona: Johnson scherzte über das Virus und schüttelte die Hände von Erkrankten, als man im Rest Europas bereits rigorose Maßnahmen zur Eindämmung des Virus vorbereitete. Der britische Premier erkrankte schließlich selbst und sein Berater Dominic Cummings sorgte für einen Eklat, als bekannt wurde, dass er die Quarantäne gebrochen hatte.
Heute ist Großbritannien das Land mit den drittmeisten Corona-Toten auf der Welt. Anfang 2021 könnte es außerdem den EU-Binnenmarkt und die Zollunion ohne ein Handelsabkommen verlassen, das die künftigen Wirtschaftsbeziehungen zum Kontinent regelt. Johnson scheint bereit, diesen harten Austritt in Kauf zu nehmen. Eine Auswahl der besten Bilder seines ersten Jahres als Premier – und historische Schnappschüsse.
Icon: Der Spiegel

