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Jena: Das absurde Comeback der FDJ

July 13
05:41 2020
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Teilnehmer einer FDJ-Demo in Jena:"Das Hirn zersiebt"

Foto: Bodo Schackow / dpa

Als Revolutionärin hat man es auch nicht leicht. Die Sonne brennt erbarmungslos auf den Holzmarkt in Jena. Eine blonde Frau steht mit Sonnenbrille und Blauhemd auf dem Dach eines stinkenden, armeegrünen Ostlastwagens. Von dort aus will sie das staunende Volk mit lauter Stimme zum Umsturz bewegen. Das Land, ruft sie, bestehe aus Armut und Barbarei. "Ihr habt keine Zukunft!"

Es dauert Sekunden, bis der erste Einheimische die Contenance verliert: "Halt's Maul!" Eine ältere Dame bläst unaufhörlich in ihre Trillerpfeife und hält ein Schild in die Luft: "Erst HJ, dann FDJ. Nie wieder". Gegenüber ragen konterrevolutionäre Plakate in den blauen Himmel: "Mallorca-Urlaub statt Stasiknast". Und kein Volkspolizist weit und breit, der die unwilligen Massen mit dem Knüppel umstimmen könnte.

30 Jahre nach der Wende marschiert die Freie Deutsche Jugend wieder im Osten, auch wenn das fähnchenschwingende Publikum weitgehend fehlt. Einst zählte die FDJ, die einzige staatlich anerkannte und geförderte Jugendorganisation der DDR, mehr als zwei Millionen Mitglieder. Heute sind es nur noch ein paar Dutzend Akteure – und die stammen wohl überwiegend aus dem Westen, wo die FDJ verboten ist.

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