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«Jeder muss ab 21 Uhr zu Hause sein»

17 октября
03:07 2020
Restaurant in Paris: Ausgangssperren für die Ballungsräume Icon: vergrößern

Restaurant in Paris: Ausgangssperren für die Ballungsräume

Foto: Kiran Ridley / Getty Images

Angesichts explodierender Zahlen bei den Corona-Neuinfektionen geht Frankreich in den Teil-Lockdown. Ab dem Wochenende dürfen die Menschen in Paris und acht weiteren Corona-Hotspots ihre Häuser zwischen 21 Uhr und sechs Uhr morgens nicht mehr verlassen. Ausnahmen etwa für den Kultursektor lehnte Premierminister Jean Castex ab.

"Jeder muss ab 21 Uhr zuhause sein", sagte Regierungschef Castex zu den neuen Ausgangssperren für die Ballungsräume Paris, Marseille, Lyon, Lille, Rouen, Saint-Etienne, Grenoble, Toulouse und Montpellier. Ausnahmen gibt es für Fahrten zur Arbeit, medizinische Gründe, das Ausführen eines Hundes oder die Pflege eines Angehörigen.

Ausnahmen für die Kultur gibt es nicht

Wirtschaftsminister Bruno Le Maire sagte, dies komme die Wirtschaft weniger teuer zu stehen als ein landesweiter Lockdown. Dennoch sorgte die Einstufung als Risikogebiet im französischen Grenzgebiet zu Deutschland für Unruhe.

Frankreichs Kulturministerin Roselyne Bachelot hatte zuvor Ausnahmen für Kinos, Theater und Konzertsäle als denkbar bezeichnet und damit Hoffnungen geweckt. Die Kultureinrichtungen müssen in den betroffenen Städten nun aber ebenso um 21 Uhr schließen wie Restaurants.

Frankreich meldete am Freitagabend mehr als 25.000 Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages, am Vortag waren es sogar mehr als 30.000 gewesen. Die Zahl der Corona-Toten stieg am Freitag um 122 auf insgesamt 33.303 seit Beginn der Pandemie.

Die neuen Ausgangssperren sind in Frankreich die härteste Maßnahme seit Ende des landesweiten Lockdowns am 11. Mai. Premier Castex betonte beim Besuch in der Universitätsklinik Lille, damit wolle die Regierung den Krankenhäusern helfen, die in der zweiten Corona-Welle wieder unter Druck geraten.

In der Uniklinik Lille sind nach Castex' Worten "fast 40" Prozent der Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt, in Paris sind es sogar noch mehr. Bereits Ende Oktober könnten viele Krankenhäuser wieder an die Belastungsgrenze kommen.

Ab Samstag tritt zudem eine deutsche Reisewarnung "für ganz Frankreich" in Kraft, wie das Auswärtige Amt mitteilte. Nur Überseegebiete wie Neukaledonien und Französisch-Polynesien sind nicht betroffen, das Außenministerium rät aber auch hier von Reisen "dringend ab".

Auch das Grenzgebiet mit dem Elsass, Lothringen und dem Verwaltungsbezirk Champagne-Ardenne gilt ab dem Wochenende erstmals seit Mitte Juni wieder als Risikogebiet, wie das Robert-Koch-Institut mitteilte. In der Region sorgte dies für Verunsicherung.

Keine Quarantäne bei Grenzübertritt

"Die Grenzen werden nicht geschlossen", beteuerte dagegen die betroffene französische Region Grand Est. Auch Baden-Württemberg, das Saarland und Rheinland-Pfalz teilten mit, die Grenzen blieben offen. Das tägliche Leben, Arbeiten und Studieren dürfe nicht wieder "durch einen kompletten Lockdown lahmgelegt werden", erklärten die Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne), Tobias Hans (CDU) und Malu Dreyer (SPD). Bei der ersten Corona-Welle im Frühjahr hatte Deutschland die Grenze zu Frankreich weitgehend abgeriegelt.

Grenzpendler dürfen sich nach Angaben der drei Bundesländer "unbeschränkt innerhalb von 24 Stunden im Grenzgebiet" bewegen. Franzosen müssen damit zum Einkaufen in Deutschland weder einen negativen Corona-Test vorlegen noch in Quarantäne gehen.

Für Familientreffen, Arztbesuche oder zwingende berufliche Gründe seien sogar 72-stündige Ausnahmen geplant, sagte der französische Parlamentarier Christophe Arend dem Radiosender France Bleu. In Frankreich gibt es für Reisende aus Deutschland keine Quarantänepflicht.

Icon: Der Spiegel

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