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Coronavirus: Forscher finden erstmals infektiöse Viren in der Luft

12 августа
15:41 2020
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Russell Tate / Getty Images

Wer sich nicht mit dem Coronavirus anstecken will, sollte Maske tragen und Abstand halten. Diese Maßnahme empfehlen nicht nur Virologen, sondern sie ist in Deutschland mittlerweile von Behörden verordnet. Wer sich nicht daran hält, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Die Corona-Regeln gibt es, weil Mediziner schon wenige Wochen nach dem Ausbruch in Europa herausfanden, dass sich das Virus nicht nur über den direkten Kontakt und Tröpfcheninfektion, sondern auch über weite Strecken durch die Luft über winzige Schwebeteilchen verbreitet.

Wie viel Virus aber wirklich an den Mikroteilchen klebt, die Menschen ausatmen oder beim Sprechen versprühen, war bisher noch ungeklärt. Forscher der Universität Florida haben nun den Nachweis erbracht, dass die Viruslast dieser sogenannten Aerosole tatsächlich groß und auch ansteckend sein kann. Bisher waren sich Mediziner nur einig, dass an diesen Schwebeteilchen Teile der Viren-DNA angedockt sind. Die US-Forscher fanden heraus, dass sich auch komplette Lebendviren an die Schwebeteilchen heften können.

Tests im Krankenhaus

In einem Abstand von zwei bis fünf Metern entnahmen die Forscher die infektiöse Testluft bei ins Krankenhaus eingelieferten Covid-19-Kranken. Diese Entfernung ist weit größer als der offiziell empfohlene Abstand von 1,5 Metern, wie er beispielsweise in Deutschland verordnet ist. Trotzdem gelang es den Wissenschaftlern, aus diesen Proben das Sars-CoV-2 Virus zu isolieren. Dieses Virus sei identisch mit den direkt am Patienten genommenen Proben gewesen, erklären die Autoren. Sie können also nicht von anderen Covid-19-Patienten aus dem Krankenhaus stammen. Allerdings hat die Studie noch nicht das Peer-Review-Verfahren durchlaufen, es fehlen noch die externen Gutachten.

Aerosol-Expertin Linsey Marr hält die Ergebnisse der Studie für wegweisend: Die Isolierung des Lebendvirus aus Atemluft sei eine "smoking gun" — ein ziemlich eindeutiger Beweis — twitterte die US-Forscherin begeistert. Sie selbst war nicht an der Studie beteiligt.

Allerdings fehlt weiterhin der wissenschaftliche Nachweis dafür, ob die Viruslast an einzelnen Schwebeteilchen für eine Infektion ausreicht. Die US-Forscher schreiben deshalb weiterhin vorsichtig, dass die Viruslast an den Schwebeteilchen ausreichen könnte, um eine Infektion bei einem Menschen auszulösen. Immerhin konnte der Versuch jedoch nachweisen, dass die Aerosolviren überhaupt infektiös sind.

In der Praxis gibt es mehrere Vorkommnisse, die diese Theorie zu bestätigen scheinen, da sich bei mehreren sogenannten Superspreader-Ereignissen wie etwa Chorsingen die Menschen nachweislich infizierten, ohne Körperkontakt gehabt zu haben.

Bereits Anfang März infizierten sich Chormitglieder in einer Kirche in der Kleinstadt Mount Vernon nördlich von Seattle bei einer Probe mit dem Coronavirus. Ein einziger Chorsänger mit Covid-19-Symptomen steckte ganze 52 seiner Mitsänger an. Drei mussten ins Krankenhaus, zwei starben.

Tausendstel Millimeter große Virustransporter

Forschungen an Aerosolen sind besonders knifflig, weil diese nur wenige Tausendstel Millimeter groß und damit unsichtbar sind. Haften sich Bakterien oder Viren an die Partikel, heißen sie Bioaerosole. Die Viren von den Schwebeteilchen zu isolieren, ist aufgrund ihrer geringen Größe sehr aufwendig.

In der neuen Studie nutzen die Forscher eine mit Salz, Zucker und Eiweiß angereicherte Flüssigkeit, um den Erreger sofort zu konservieren und dann in Ruhe das Virus zu isolieren.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte erst im Juli offiziell anerkannt, dass Sars-CoV-2 durch Aerosole übertragen werden kann. Vorher hatten 239 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen offenen Brief an die WHO geschrieben. Darin hatten sie die Organisation dazu aufgefordert anzuerkennen, dass sich das Coronavirus auch über die Luft verbreiten kann.

Icon: Der Spiegel

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